Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1914-01-01
- Page
- 15 (sequence 10)
- Language
- German
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Der Kampf gegen Talmud und Schulchan Aruch. 15 räumen und nicht durch Belehrung ihrer Umgebung und durch Einsetzen ihrer Person den Wert des Einzelnen und der Gesamtheit zu zeigen gewillt sind. Die deutschen Juden haben keinen Anlaß, den Lockrufen deutscher oder jüdischer nationalistischer Fanatiker irgendwelche Folge zu geben. Wir werden frei und unbehelligt sein, wenn wir jeder Tendenz nach reinlicher Scheidung, wie es die Antisemiten, oder nach Entfremdung, wie es ein Teil der jüdisch-nationalen will, ein energisch e s Pa r o l i e n t g e g e n s e tz e n. Der Kampf gegen Talmud und Schulchan Aruch. Von Rabbiner Dt. Werner-München?) Es war der Kampf gegen die Taufe und für die Ehre des Judentums, der mich vor mehreren Jahren hierher führte. Und auch heute ist es wiederum die angegriffene Ehre des Judentums, die ich verteidige. Was ist Ehre? Sie ist die Wertschätzung und Achtung, die wir selbst vor uns haben, und von der wir verlangen, daß sie auch andere vor uns haben. Es gibt persönliche, soziale, politische und religiöse Ehre. Unsere religiöse Ehre wird dadurch am gefährlichsten angegriffen, daß man die sittlichen Grundlagen und Grundlehren des Judentums entstellt und entwürdigt. Man greift die Bibel an. Nicht wir allein brauchen sie zu schützen; ihre Verteidigung liegt auch der christlichen Konfession ob, deren Fundament sie ebenfalls bildet. Man bestreitet uns, das Volk zu sein, das zum erstell Male die Einheit Gottes und die Sittlichkeit gelehrt hat, — die Wissenschaft hat entschieden, daß diese Angriffe unberechtigt sind. Man behauptet, die Tochterrellgion habe die Mutter in der Ethik besiegt. Die Entscheidung hierüber können wir auch ruhig der Wissenschaft überlassen. Was uns am meisten wehetut, ist der Haß, mit dem das spezifisch jüdische Schrifttum — der Talmud und der Schulchan Aruch — verfolgt wird. Dieses Schrifttum — so sagen die Gegner — sei nicht bloß nicht ethisch, es sei sogar gefährlich. „Der Talmud und der Schulchan Aruch lehren gradezu Rnsittlichkeit". Unsere. Gegner aber gehen noch weiter und erklären: wenn eine Gemeinschaft dieses Schrifttum für verbindlich hält und als Quelle der religiösen Anschauungen betrachtet, so verdient sie nicht die Gleichberechtigung mit den andern Mitbürgern. Welche Erniedrigung liegt für uns darin, daß wir unserer Religion wegen nicht *) Rach einem am 30. Oktober 1913 im Centralverein in Berlin gehaltenen Vortrag.