Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1914-01-01
- Page
- 12 (sequence 7)
- Language
- German
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12 Im deutschen Reich. „Wir haben es für unsere Pflicht gehalten, die Herren Levy, Meier, Aron als Repräsentanten der beleidigten Volkssouverenitat vorzuführen. Levy, Meier, Aron! Wenn es nicht gar traurig wäre, fühlte man sich wohl versucht, eine helle Lache anzuschlagen." Die AnLisemitenpresse kann aber solche Namen auch ernsthaft ausbeuten, denn in einer „Original-Korrespondenz" des Herrn Leb ins heißt es wörtlich: „Wer steckt eigentlich hinter dem provozierten Skandal: der kleine Levy, dessen Mutter gerade beim Abendbrot saß, als ihr kleiner Levy unten auf der Straße moralische Raufbolderei gegen den verhaßten Leutnant v. Forstner trieb. Unsere Behörden sollten doch gerade jetzt einsehen, wie groß die Gefahr ist, welche dem Deutschtum aus der jüdischen Propaganda erwächst. In der Tat, es ist Höchste Zeit, daß der Kaiser klar erkennt, daß, seine überstarke Zuneigung zum Hause Israel schlecht gelohnt wird." Dazu bemerkt die „Welt am Montag": „Also der „kleine Levy" tst das Karnickel gewesen! Schuldig sind nur die „jüdischen Jünglinge". Wer es nicht glaubt, muß, zur Strafe das Blatt des Herrn Lebius lesen!" Auf diese Weise werden selbst die ernstesten Dinge durch die Dingelstedtsche Maxime „Wohin Ihr faßt, Ihr werdet Juden fassen", von der er sich selbst später losgesagt hat, in ihrer Bedeutung unterschätzt. Es kann der judenfeindlichen Presse nicht unbekannt sein, daß der „Bund bet Konfeffiortslofctt'' nicht nur für den Austritt aus der Landeskirche, sondern auch für den Austritt aus dem Judentum Propaganda macht, für welche in einer Zeit vielfacher Bedrängnisse und der von dem Staat auf die Taufe gesetzten Prämie das treue Festhalten charaktervoller Männer an dem jüdischen Bekenntnis und an der uralten Gemeinschaft eine Existenzfrage ist. Hierbei mag bemerkt werden, daß auch die jüdische Gemeinschaft allen Anlaß hat, sich um den Bund der Konfessionslosen zu kümmern. Denn dessen alle vernünftigen Grenzen überschreitende, nicht immer mit den Mitteln wahrer Volksaufklärung arbeitende Taktik beginnt auch dem Judentum zu schaden und hat schon manchen in einer Stunde falscher Begeisterung zu einer Austrittserklärung veranlaßt, welche er nachher bedauert hat. Die agrarisch-antisemitische „Deutsche Tageszeitung" schreibt anläßlich eines von dem Sohne einer christlichen Mutter, dem Dr. Bernstein, im Düsseldorfer Freidenker-Verein gehaltenen Vortrages „über den Austritt aus der Landeskirche": „Das ist denn doch eine Angelegenheit, die Herrn Dr. Bernstein nicht im mindesten angeht. Er sollte sich mit dem Austritte aus der Synagoge befassen." In ähnlicher Weise äußert sich der „Reichsbote" entrüstet dar-