Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Article
- Gerechtigkeit den Pharisäern!
- Date
- 1914-01-01
- Page
- 5 (sequence 4)
- Language
- German
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.Gerechtigkeit den Pharisäern! 5 siche, die den einzelnen Pharisäer kennen, würdigen nnd schätzen lehrt, erscheint mir als die wichtigste. Jene unter uns, deren Glaube an die Große und Kraft des Judentums fest begründet ist, brauchten diese Feststellungen gewiß nicht, aber jene vielen, allzuvielen, denen leider jedes Urteil, sobald es nur von andersgläubiger Seite kommt, eine halbe Offenbarung bedeutet, sollten in diesem Buche lesen, was ein wahrhaft frommer Christ, ein wirklich wissenschaftlich forschender Mann von den vielgeschmähten Pharisäern sagt; sie könnten daran die Glaubwürdigkeit so vieler anderer Urteile über Juden und Judentum ermessen nnd etwas mehr Selbstvertrauen und Selbstwürde gewinnen. Neben dieser rein menschlichen Wirkung des Buches darf freilich seine wissenschaftliche Bedeutung nicht unterschätzt werden. Wenn beim ersten Lesen das Neue und Gute nicht so auffällig hervortritt, so liegt das gewiß größtenteils an der Bescheidenheit des Berfasfers) mehr aber noch daran, daß er fast jede Polemik vermeidet und nur schlicht und anspruchslos seine Meinung sagt. Was aber die sechs Kapitel des Werkes an klugen Gedanken und neuen Gesichtspunkten enthalten, ist erstaunlich. Behandelt werden die historischen Verhältnisse, die der Entstehung des Pharisäertums zugrunde liegen, die Theorie der Thora, ein besonders scharfsinnig erfaßter Teil des Problems, und als drittes und viertes Kapitel die Beziehungen des Pharisäertums zu Jesus und' zu Paulus. Das fünfte Kapitel bildet die Darstellung einiger Punkte der pharisäischen Religionslehre, und das Buch schließt mit einer Abhandlung über das persönliche Verhältnis der Menschenseele zu Gott nach pharisäischer Lehre, die treffend als eine Religion der Seele gekennzeichnet wird. Innerhalb dieses Rahmens verbirgt sich eine Fülle von oft verblüffenden, aber fast stets einleuchtenden, ja überzeugenden Einzelanschauungen, und ijt Vom Standpunkte des Fuhlens, des Gemüts ans das Werk eine sittliche Tat, so ist es, rein verstandesmäßjg betrachtet, eine sehr achtbare und bedeutende wissenschaftliche Leistung. Eine Tatsache sei zum Schluß noch hervorgehoben, die den Wert des Buches bedeutend erhöht, daß es nämlich keineswegs ein unbedingtes Loblied auf die Pharisäer singt. Herford kennt ihre und ihrer Religionsanschauung Schwächen ganz genau, und wenn er sie auch statt mit der bisher üblichen Gehässigkeit mit liebevollem Verständnis behandelt, er beschönigt und entschuldigt nichts! Auch wir sind nich,t blind und stimmen ihm in vielen Punkten bei, in manchen aber nicht! So vor allem nicht in der Frage des Nniversalism u §t Wenn Herford die pharisäische Lehre partikularistisch nennt und ihr im Gegensatz zum Paulinischen Christentum jeden Universalismus abspricht, so wird sich von unserer Seite recht