Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Article
- Gerechtigkeit den Pharisäern!
- Date
- 1914-01-01
- Page
- 6 (sequence 5)
- Language
- German
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6 Im deutschen Reich. vieles und erhebliches dagegen sagen lassen. Es ist hier nicht der Ort, ausführlich auseinanderzusetzen, wie der Verfasser dadurch, daß er die Anschauungen der Pharisäer über den Messianismus völlig außer acht ließ, zu dieser sicherlich nicht richtigen These kommen konnte. Es sei sein abweichender Standpunkt nur darum betont, weil es für Herfords und für unsere Objektivität spricht, wenn weder er den Pharisäern uneingeschränkte Billigung und Anerkennung aus spricht, noch wir uns ihm rückhaltlos an« schließe n. Es gibt weder eine reine Wahrheit, noch voraussetzungslose Wissenschaft. Aach beiden aber zu streben ist das Zeichen des echten M e n s.H e n und des echten Gelehrten! Herford verdient dieses doppelte Lob! Seinem schönen Buche aber wünschen wir, daß es nicht nur in jüdischen, sondern mehr noch in christlichen Gelehrtenkreisen gelesen werde, seiner Methode rnach Beachtung finde und bahnbrechend wirke. Vielleicht trägt es dazu bei, daß für die Behandlung jüdischer Fragen endlich einmal auf jener Seite dieselben Grundsätze maßgebend werden, wie sie sich schon längst für jede andere Wissenschaft von selber der-- stehen. * Amschau. Wenn der Central-Verein auch im wesentlichen nur sich der Bekämpfung des Antisemitismus in Deutschland widmet, sind doch die Wechselbeziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich so mannigfaltig, daß uns, ganz abgesehen von dem Mitgefühl, das wir für die schwergeprüften, österreichischen Glaubensgenossen empfinden, die antisemitischen Treibereien jenseits der schwarzgelben Grenzpfähle auch im eigenen Interesse nicht gleichgültig sein können. Wenn etwas dieses Interesse nur noch steigern kann, ist dies die Wahrnehmung, daß; derjenige Teil der Zentrumspresse in Deutschland, der im Widerspruch mit den Traditionen der früheren toleranten, großen Zentrumssührer Windthorst, Mallinrodt, Reichensperger und Lieber seine Sympathien und seinen Einfluß an die Antisemiten verschwendet, die zumeist durch Aufstachelung des Judenhasses errungenen Erfolge der Christlich-Sozialen bejubelt und sichtlich auch als einen Gewinn für die deutschen Klerikalen beurteilt. Wie wenig die Antisemiten zu Bundesgenossen des Zentrums sich eignen, geht aus den Aeußerungen im „Reichshammerbund" hervor, in dem die Herren unter sich sind. In der Hamburger Ortsgruppe des „Reichshammerbund" erklärte vor wenigen