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Im deutschen Reich · 1914-01-01 · Heft 1 (Januar 1914) · p. 4

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 1 (Januar 1914)
Article
Gerechtigkeit den Pharisäern!
Date
1914-01-01
Page
4 (sequence 3)
Language
German
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4 Fm deutschen Reich. Grund. Denn die jüdische Religion hat sich in nachchristlicher Zeit durchaus auf pharisäischer Grundlage weiter entwickelt, und alle Ansätze, die in andere Richtungen drängten, sind verkümmert und unwirksam geblieben. Der Talmud, der Schulchan aruch sind ausgeprägte Produkte dieses Geistes, und das Judentum von heute ist pharisäisches Judentum! Daraus erklärt sich vieles! Die christliche Wissenschaft schlägt nach der Wurzel des Baumes, um die Früchte zu vernichten, sie greift die Pharisäer an, und meint das lebendige Judentum unserer Zeit! Von jüdischer Seite ist diesem Unfug — ein anderes Wort kann man nicht gebrauchen — schon in vortrefflichen Schriften, welche für eine gerechtere und bessere Würdigung der Pharisäer Objektives und unanfechtbares Material beibrachten, scharf entgegengetreten worden. Ihre Stimme ist in der Wüste verhallt, höchstens hat man zugestanden, daß einzelne Führer der Pharisäer Männer von warmem Herzensempfinden, von unantastbarer Ethik, von milder Gerechtigkeit und verzeihender, duldsamer Nächstenliebe gewesen seien. Für die große Masse har die kränkende und ungerechte Beurteilung höchstens noch an Schärfe gewonnen. And nun kommt endlich ein wirklicher Mann der Wissenschaft, ein schlichter Wahrheitssucher, ein gläubiger, frommer Christ, der dreißig Jahre eines arbeitsreichen Lebens darauf verwendet hat, die jüdischen Quellen zu studieren, und stellt sich die Ausgabe, das Pharisäertum so zu zeichnen, wie es wirklich war, darzustellen, was es seinen eigenen Bekenne r n bedeutete und gab. Er löst es von seiner bisherigen. Stellung als Folie für das Christentum los und betrachtet es als eine Erscheinung für sich, unbeeinflußt von jeglicher Tendenz, die das Arteil schon vor dem Beginne der Antersuchung fällt. And das Bild, das sich auf dieser verständigen Basis aufbaut, weist wesentlich andere Züge auf, als das bisher der Welt vertraute. Wenn wir in Herfords Buch lesen, fühlen wir uns den Pharisäern innerlich nahe. Wir sehen das Bild von schlichten, tiefen Gottessuchern vor uns, von Menschen, denen, gewiß menschliche Schwächen eigen waren, deren sittlicher Ernst, deren tiefer Glaube, deren innige Herzerlsgüte und Bescheidenheit aber bewundernswert sind. Es sind wirklich nicht die kühl berechnenden Kleinigkeitskrämer, die in kultischen Aeußerlichkeiten erstickenden Anhänger der „Gesetzesreligion", als die sie uns die christliche Wissenschaft schildert, sondern tief religiöse, ethisch empfindende und handelnde Kinder Gottes, nicht die Sklaven des „Gesetzes", sondern innerlich freie Menschen! And diesen Pharisäern nicht nur blutsverwandt zu heißen, sondern auch Geist zu sein von ihrem Geiste, erscheint uns als ein Vorzug! Diese Seite des Buches, die rein mensch--

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