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Im deutschen Reich · 1914-01-01 · Heft 1 (Januar 1914) · p. 3

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 1 (Januar 1914)
Article
Gerechtigkeit den Pharisäern!
Date
1914-01-01
Page
3 (sequence 2)
Language
German
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.Gerechtigkeit den Pharisäern!' r objektive Forscher geradezu faszinierend wirkt, der sie alle wissenschaftlichen Grundsätze mit einem Schlage vergessen, und weder die Pflicht zur Gründlichkeit, zum Liefen ernsten Studium, noch zur Gerechtigkeit und Wahrheit anerkennen Läßt, sobald es sich um das Judentum handelt.' Von der horrenden Unwissenheit, Don der geradezu erstaunlich leichtfertigen Auffassung und Arbeitsmethode) die weite Kreise von christlichen Gelehrten bei Arbeiten über das Judentum kennzeichnet, hat Aptowitzer jüngst in der Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums^) frappante Beispiele gegeben, die geradezu belustigend wären, wenn sie nicht eine gar zu traurige Sprache redeten. Sobald -es sich um das Judentum handelt, ist eben alles-erlaubt. Was.man sonst im Leben Verleumdung nennt, heißt dort „Kritik", Anwissenheit wird zu einem Vorzug, Gehässigkeit zu einem wissenschaftlichen Prinzip, und hier stecken wir weit mehr als ans jedem anderen Gebiete in der Recht- und Machtlosigkeit des Mittelalters, sind wir wehrlos ausgesetzt den Angriffen eines wissenschaftlichen Rauörittertums. Besonders schroff und verletzend traten diese Tendenzen von jeher in der Pharisäer frage hervor. Die Pharisäer waren in der Welt bis vor kurzer Zeit nur in der Beleuchtung des Neuen Testaments bekannt, das sie kurzerhand zu Heuchlern gestempelt hatte; und mit diesem Makel behaftet ist das Wort „Pharisäer" geradezu ein Schimpfwort geworden, das gedankenlos sogar von Juden häufig gebraucht wird. Nun ist das Neue Testament gewiß alles andere als eine trockene, nüchterne wissenschaftliche Auseinandersetzung. Es hatte weder den Wunsch, noch die Ausgabe, dem Pharisäer gerecht zu werden, sondern in dem Bestreben, den Sieg über einen Gegner davonzutragen, griffes zu recht temperamentvollen Kampfmitteln. Nirgends und nie, so lange die Wissenschaft nach Wahrheit strebt, ist es jedoch Sitte gewesen, eine Erscheinung nnr nach der Auffassung des heftigsten Feindes zu beurteilen, noch immer galt es als anständiger Brauch, einen Angeklagten .-zu hören, bevor man ihn verurteilte. Allein dem Judentum .gegenüber war es von jeher anders, und zumal inbezug aus die Pharisäer galten die unlogischen und unsinnigen Anklagen der ihnen feindlich gesinnten Verfasser des Neuen Testaments als lautere Wahrheit. Dabei traten und treten am lautesten für dieses Dogma der christlichen Wissenschaft jene Gelehrten ein, die von den jüdischen Quellen nur eine recht schwache Ahnung haben. Daß man in der christlichen Eelehrtenwelt mit solcher Zähigkeit sich auch den klarsten gegenteiligen Zeugnissen der jüdischen Literatur verschloß, hatte freilich einen durchaus praktischen *) Jahrgang 57. Seite 1—23, 129-152, 272—283,

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