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Im deutschen Reich · 1913-12-01 · Heft 12 (Dezember 1913) · p. 570

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 12 (Dezember 1913)
Article
Ortsgruppen - "Ortsverbände"
Date
1913-12-01
Page
570 (sequence 5)
Language
German
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570 Im deutschen Neich.- Der Wortlaut des von Evers an den Vater der jüdischen Knaben gerichteten Schreiben ist: »Auf Ihr geehrtes Schreiben vom 5 ds. M. ergebenst zur Mitteilung, daß alljährlich wie auch dieses Jahr jüdische Badegäste hier zur Kur weilen und bislang, mit Ausnahme der kürzlich vorgekommenen) antisemitische Hetzereien nicht vorgekommen sind, und Lut es uns sehr leid, daß solches vorgekommen ist. Soweit ich in Erfahrung gebracht, ist dieses Vorkommnis hervorgerufen durch ein ungebührendes Benehmen anderer Gäste gegenüber den beiden in Ihrem Schreiben erwähnten jüdischen jungen Leuten und ist die Hetzerei nicht von den Insulanern, sondern von den hier weilenden Badegästen ausgegangen. Am solchen und ähnlichen Fallen in Zukunft vorzu beugen, werden wir uns durch das Geschehene leider genötigt fühlen, in unserem Prospekt daraus hinzuweisen, daß jüdische Gäste in Zukunft nicht willkommen sind." Das nennt die Antisemitenpresse, die über die „ehrlosen^ Iudenblätter wettert, deutsche, ritterliche, christliche KampfesweiseN — — In der Oktober-Nummer dieser Zeitschrift haben wir darauf hingewiesen, daß in der 33. Auflage des von Ernst Lausch heraus gegebenen, im Verlage von Otto Spamer in Leipzig erschienenen „Buch der schönsten Kinder- und Volksmärchen" sich das Märchen „Friedel und Fiedel" befinde, durch welches das leicht empfängliche Gemüt der Fugend mit Aassen- und Klassenhaß erfüllt werde. Me Verlagsbuchhandlung Otto- Spam er ersucht uns, unfern Lesern mitzuteilen, daß bereits vom der 35. Auflage ab das von uns beanstandete Märchen „Fried-el und Fiedel" nicht mehr in dem Buche enthalten sei, von dem. jetzt auch schon die 37. Auflage vorliege, — Antisemitismus in der Schule. Da unsere Veröffentlichungen über dieses traurige Thema bisher die gute Wirkunggehabt haben, daß die Eltern oder andere Erziehungsverpflichteten sich entschließen, an der richtigen Stelle und in geeigneter .Weise Beschwerden anzubringen, durch die stets bisher Abhilfe erzielt wurde, sei auch folgendes berichtet: In einem auswärtigen L y c e u m befahl vor einigen Monaten die Handarbeitslehrerin einer jüdischen Schülerin, den angefangenen Strumpf fertig Daraus machte die »Deutsche Tageszeitung" nachstehende »V er« drehung": »Der Vater eines solchen Jünglings hatte sich deswegen an den Gemeindevorsteher ge« wandt, der erwiderte, daß es ihm leid tue, wenn antisemitische Ketzereien vorgekommen sein sollten; soweit er in Erfahrung gebracht habe, sei das Vorkommnis durch u n g e « bührendes Benehmen jüdischer junger Leute anderen Gästen gegenüber her« vorgerufen worden, und die angebliche Hetzerei sei nicht von den Inselbewohnern, sondern von den Badegästen ausge» gangen".

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