Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1913)
- Article
- Ortsgruppen - "Ortsverbände"
- Date
- 1913-12-01
- Page
- 571 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316829-2316840-2347879--24112-2347936- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vereinsnachrichten. 571 ZU stricken unb sagte, du die Schülerin erwiderte, sie dürfe dies des Sabbats wegen nicht: die Juden möchten sich eigene Schulen anschaffen, wenn sie immer besondere Sachen haben wollten. Dem Zwange wurde gehorcht, der Vorgang aber dem Direktor kundgegeben, der bald darauf dem Vater miLteilte, die Lehrerin sei sich der Tragweite ihres Vorgehens nicht voll bewußt gewesen und werde sich entschuldigen. Eine Wiederholung des Falles sei ausgeschlossen. — Wie' uns aus Graudenz mitgeteilt wurde, hat dem Wahlflugblatt der konservativen Partei des Kreises Rasend erg ein hektographiertes Anschreiben beigelegen, das für das Judentum schwer beleidigende Sätze enthielt. Liberale Blätter haben sich heftig gegen dieses Verfahren geäußert, und „der Gesellige^ hat sich damals veranlaßt gefühlt, zu versichern, daß die Juden sich stets als deutsche Bürger gezeigt hatten. Wir erfuhren später, daß ein Schreiber des Landratsamtes in Rosenberg der Verfasser dieser hektographierten Beilage sei, und haben deshalb an den Herrn L a n d r a t d e s Kreises R o s e n b e r g in West-- Preußen am 25. Juni eine Eingabe gerichtet, in der auf diese Nebenarbeit eines im Landratsamt beschäftigten fünfzehnjährigen Schreibers hingewiesen und die Bitte ausgedrückt wurde, eine bezügliche Untersuchung einzuleiten) und den betreffenden Schreiber auf das Ungehörige seines Verhaltens hinzuweisen. Erst am 28, Oktober erhielten wir darauf den nachstehenden Bescheid: „Auf das gefl. Schreiben vom Juni dieses Jahres erwidere ich ergebenst, daß ich dasselbe zu meinem Bedauern nicht habe gleich beantworten können, einmal weil ich längere Zeit beurlaubt war, sodann weil ich mit Persönlichkeiten Rücksprache nehmen mußte, welche im Sommer nach Eingang des Schreibens lange Zeit verreist waren. Ich bemerke nach den 'Ermittelungen zunächst ergebenste daß die Angabe der konservativen Parteileitung, sie habe das Flugblatt nicht in den Kreis gesandt, richtig ist. Nicht aber ist zutreffend^ daß dasselbe von einem Schreiber hiesigen Amtes verfaßt worden ist. Hierzu sind diese jungen Leute auch gar nicht fähig. — Die Beilage ist vielmehr nicht als Flugblatt, sondern als Abschnitt einer Broschüre in den Wahlkreis hineingesandt worden. Ich glaube, wohl nicht noch besonders betonen zu müssen, daß ich gegen die Anfertigung politischer Schriften durch Schreiber des Amtes g. F-. einschreiten würde. In vorzüglicher Hochachtung gez. v. Brünneck, Landrat. So dankenswert die von dem Herrn Landrat angestellten Ermittelungen sind, wird dadurch die Angelegenheit doch nicht völlig aufgeklärt. Die Verantwortung für die gehässigen Angriffe auf das Judentum, die nach diesem Bescheide keinen Beamten des Landratsamtes trifft, bleibt nun auf der konservativen Parteileitung des Kreises Rosenberg haften. — Von Besuchern des Erholungsortes K i tz b ü h e l, der bisher in unserer Liste der antisemitischen Orte verzeichnet war, ist uns mitgeteilt worden, daß Kitzbühel in Tirol nicht mehr antisemitisch sei. Bisher stand in dem Prospekt des dortigen Fremdenverkehrvereins: „Beschluß der Generalversammlung 1897': Anfragen von Juden bleiben unberücksichtigt." Infolge einer vom 21. November 1913 datierten Auskunft des Verkehrsvereins Kitzbühel haben wir nun diesen Ort in unserer Liste gestrichen, bitten aber Besucher von