Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1913)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1913-12-01
- Page
- 559 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316829-2316840--24088-2347924- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. 559 Der „Hammer" des Antisemiten Th. Fritsch versichert also, daß seine Parteigenossen nicht spekulieren, aber die ihm nahestehende „Staatsbürger-Zeitung" spekuliert zweifellos auf den Tatendurst des „jungen Adlers", wie sie den Kronprinzen nannte, als sie an ihn die merkwürdige Zumutung richtete: „Um so mehr zum Handeln, Prinz! Zehn Millionen edler Deutscher, die an unserer Ostgrenze unter slawisch-habsburgischer Fremdherrschaft seufzen, haben auf dich ihre Hoffnung gesetzt. Wirst du ihnen ein zweiter Friedrich der Große werden, der ihnen die nationale Erlösung bringt? Die Weltgeschichte würde höhere. Ehren auf dein Haupt ausschütten, als je einem deiner Vorfahren zuteil wurde." Ls bedarf wohl keines Wortes darüber, welche Schädigung unseres Verhältnisses zu dem uns eng verbündeten Oesterreich sich ergeben könnte, wenn man dort, die Bedeutungslosigkeit dieses Blattes nicht kennend, aus diesen Worten die Hoffnung eines größeren Teiles unseres deutschen Volkes herauslesen würde. Immerhin ist es nicht nur die Tendenz der „Staatsbürger-Zeitung", sondern auch die der alldeutschen Politiker, die keine aus dem Zusammenbruch des Dreibundes sich ergebende gefährliche Entwickelung scheuen würde, wenn dadurch die „deutsch-völkischen" Böhmen und Mahren aus der tschechischen Ueberslutung zu retten waren. Daß diese DeuLsch-Oesterreicher durch die antisemitischen Führer Schönerer, Wolf, Iro u. a. m. selbst durch Zersplitterung der deutschen Elemente zu den Erfolgen des TschechenLums beigetragen, werden unsere reichsdeutschen Antisemiten natürlich nicht zugeben. Oft kommt ein gutes Wort aus bösem Munde; so können wir als pflichttreue deutsche Juden in dieser Zeit der durch Aberglauben und Unglauben herbeigeführten Wirrnisse einmal die Sätze aus dem oben angeführten Artikel des antisemitischen „Hammer" nicht in seinem, aber in unserem Sinne uns aneignen: „Wir hoffen auf das Wiedererwachen aller guten und gesunden Instinkte in unserem Volk. Es wird nicht eher genesen, als bis es seine vier Jahrzehnte hindurch empfangenen schlimmen Eindrücke wie einen bösen Traum von sich abgeschüttelt haben wird." — Diese Hoffnung wird in Erfüllung gehen, wenn wir nicht nur gute Deutsche, sondern auch treue Juden bleiben, jeder Lockung zum Abfall widerstehen und jeder Drohung gegenüber standhaft bleiben. Wenn Fritz Albert in der „Politisch-Anthropologischen Revue" in einem „D eutschtum und Judentum" überschriebenen Artikel dem „tüchtigen und wertvollen" Juden, der ehrlich eine Eindeutschung ersehnt und nicht von beiden Seiten ver-