Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1913)
- Article
- Wandervogel
- Date
- 1913-12-01
- Page
- 554 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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554 Im deutschen Reich. recht skeptischer Stellungnahme schenkt, zum größten Teile eine' Manne: Professor Alb recht, der Geschäftsführer der einfluß reichen Centralstelle für Volkswohlfahrt, der Mitbegründer Le ältesten Wandervogelorganisation und gegenwärtiger Vor sitzender des Gaus Brandenburg, ist seinerzeit der Protektor des Wandervogel im Kultusministerium gewesen. Herr Professor Albrecht hat zwei offiziellen Vertretern des Centralvereim auf das entschiedenste erklärt, daß er seinen guten Namen niemals für eine antisemitische Vereinigung hergeben würde, daß er im Augenblick aus der Leitung des Wandervogel ausscheiden würde, wo er einsehen würde, daß er nichts gegen die Hetzer und Schreier und unreifen Köpfe ausrichten könne. Dann würde er aber auch die Verantwortung dem Kultusministerium gegenüber nicht mehr übernehmen, und würde sich keinen Augenblick scheuen, die Schulbehörden auf seine gründlich veränderte Stellung hinzuweisen. Ich fasse meine Ausführungen zusammen: Die. antisemitischen Strömungen im Wandervogel und verwandten Jugendorganisationen sind weit fortgeschritten; es sind aber starke Gegenströmungen unleugbar vorhanden, deshalb ist die Lage nicht hoffnungslos. Als wirksamstes Mittel mutz die persönliche Aufklärung in den Reihen des Wandervogel dienen. Deshalb ist die Gründung jüdischer Wandervogel-Vereine abzulehnen. Fm Augenblick, wo diese die Billigung der Schulbehörden fänden, wäre der Antisemitismus in Vereinen, die die Beeinflussung von Kindern zum Zweck haben, in Permanenz erklärt. In allen Fällen, in denen jüdische Knaben und Mädchen vom Wandervogel aus antisemitischen Gründen ausgeschlossen werden, ist ein Einschreiten des Schuldirektors eventuell der Provinzial-Schul-Behörden herbeizuführen. Sollte der gesamte Wandervogel in das antisemitische Lager schwenken, so wäre das Kultusministerium zu ersuchen, die Teilnahme von Schülern generell zu verbieten. Wichtiger aber als diese praktischen Ergebnisse scheint das folgende zu sein: Die Hauptaufgabe der nächsten Zeit muß sein, die j ü d i s ch e Jugend zu schulen, daß sie gerüstet ist. Dazu gehören Kenntnisse und Selbstzucht. Die Organisation, in der diese Erziehungsarbeit geleistet werden kann, ist in den jüdischen Iugendvereinen geschaffen. Die Leitung des Wandervogels steht jedenfalls den antisemitischen Treibereien fern. Der Vorsitzende der O r t s g r u p p e Mühlheim (Ruhr) des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Herr Gustav Kaufmann, hat mit dem