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Im deutschen Reich · 1913-12-01 · Heft 12 (Dezember 1913) · p. 555

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 12 (Dezember 1913)
Article
Wandervogel
Date
1913-12-01
Page
555 (sequence 9)
Language
German
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Rwschau. 555 Direktor der dortigen Oberrealschule, Herrn vr. Edmund Neuendorff, in der Wandervogel-Angelegenheit eine ausführliche Besprechung gehabt. Herr Dr. Neuendorfs, der Bunde s l e i t e r d e s W a n d e r v o g e l s e. V., hat Herrn Kaufmann erklärt und ihn ermächtigt, von der Erklärung in der Öffentlichkeit Gebrauch zu machen, daß er die Versuche der Antisemiten, in den Wandervogel judenfeindliche Tendenzen hineinzutragen, auf das schärfste mißbillige, und daß er als Bundesleiter des Wandervogels diese Versuche durchaus bedauere. * Amschau. Durch die Sympathien, die feit langer Zeit von deutschen Antisemiten den russischen „Nationalisten" bekundet werden, obgleich sie bei diesen, wie aus der Deutschfeindlichkeit der „Nowoje Wremja" hervorgeht, keine Gegenliebe finden, ist auch in einzelnen deutschen Kreisen wiederum die Iuöerrfrage 6er Kexngnnit 6er Reaktion geworden. In den Besprechungen der Beilis-Prozeßverhandlung war zwischen der „Kreuz-Zeitung", der „Deutschen Tageszeitung" und den Organen der radikalen Antisemiten kaum ein Anterschied zu bemerken. Hüben und drüben gab sich das gleiche Streben kund, der jüdischen Religion oder einem Teile des jüdischen Schrifttums den Vorwurf zu machen, das Abzapsen von Blut christlicher Kinder zu einer religiösen Pflicht gemacht zu haben. Daß im 20. Jahrhundert deutsche konservative Blätter eine Religion, der die Welt die „zehn Gebote" verdankt, die ferner den Blutgeuuß auf das strengste verboten hat, in dieser Weise beschimpfen dursten, .ist noch schlimmer als das frühere antisemitische Treiben, das Kaiser Friedrich als „eine Schmach des 19. Jahrhunderts" bezeichnet hat. So sicher dieses Wort gefallen ist, so sicher ist die Aeußerung erdichtet, die, nach der „Nowoje Wremja", Kaiser Wilhelm einem sehr angesehenen Russen gegenüber getan haben soll, er glaube an solche rituellen Verbrechen wie das Kiewer. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schrieb zum Aeberfluß: „Wir wollen ausdrücklich feststellen, daß die angeblichen kaiserlichen A e u ß e r u n g e n e r f u n d e n s i n d." lieber das Verhalten der „Kreuz-Zeitung" schrieb die Münchener Zeitschrift „März": „Das Blatt des preußischen Feudaladels stürzt sich mit dem„germanischen Rechtsgesühl", das sich im übrigen in schwebende Prozesse nicht mischt, auf den Prozeß von Kiew. Die „Kreuz-Zeitung" über-

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