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Im deutschen Reich · 1913-12-01 · Heft 12 (Dezember 1913) · p. 546

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 12 (Dezember 1913)
Article
Der Beilitz-Prozeß
Date
1913-12-01
Page
546 (sequence 18)
Language
German
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546 Im beulten Reich. Plädoyer für die Tscheberjak und suchte die Schuldbeweise gege diese zu entkräften. Seine letzte Rede klang wie eine neu Anklage gegen Beiliß. Amsonst. Die Geschworenen berieten nicht viel' länge als eine Stunde. Dann wurde, am Montag, den 10. November, abends gegen 6 Ahr, der Wahrspruch verkünden Die erste Frage wurde bejaht, die zweite verneint. Beilr wurde freigesprochen. Am Abend betrat er, von zahlreichen Polizisten eskortiert, wiederum die Wohnung, aus der er vor mehr als zwei Fahren, am 3. August 1911, weggehw. worden war. * * * Wir haben uns bemüht, den Prozeß rein sachlich zu erzählen, etwa so, wie ein Japaner es täte, dem die Sache nicht weiter nahegeht, und der darin nur einen interessanten. Kriminalfall sieht. Aber man braucht gar nichts hinzuzufügen, die einfachen Tatsachen allein schon wirken erschütternd. Wir sehen Räuber und Mörder, in deren Mitte das arme Kind totgeschlagen wird, über die dennoch mächtige Gönner schützend ihre Hand halten, während ein Anschuldiger mit allen Mitteln des Anrechts, der Gewalt und der Rechtsbeugung als Mörder verurteilt werden soll. Wie war das möglich? Nur als Akt der hohen Politik ist der Prozeß zu erklären, nicht als eine Handlung des Rechts und der Gerechtigkeit. Die Legende hat sich der furchtbaren Tragödie schon bemächtigt. Sie wollte erklären, weshalb die Anklage gegen Beiliß erhoben und durchgeführt wurde. Gin hoher Beamter habe dem Zaren auf dessen Frage versichert, man habe die Mörder, und er habe alles getan, um sein Wort nachträglich wahrzumachen. Ein richtiger Kern verbirgt sich in dieser Geschichte. Rußland ist heimgesucht von schweren inneren Anruhen, man fürchtet eine neue Revolution, wie jene von 1905. In Kiew, dem Schauplatz des Trauerspiels, liegt der Gedanke daran noch näher als anderwärts. Denn dort ist am 14. September 1911 der Ministerpräsident Stolypin im offenen Theater in Gegenwart des Zaren von einem Revolutionär erschossen worden. Das war zu der Zeit, in der die Gerichtsbehörden dort die Anklage gegen Beiliß vorbereiteten. Revolution oder Pogrom! So malt sich in den Augen russischer Staatsmänner die innere Lage ihres Landes. Es hat oft schon eine Regierung Krieg geführt, um die Unzufriedenheit des Volkes nach außen hin abzulenken. In Rußland soll nach dem Willen mächtiger Männer die revolutionäre Energie in das Bett des Pogroms geleitet werden, die Wut des Volkes soll von den Herrschenden auf die Juden abgelenkt werden. Die letzte Replik des

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