Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1913)
- Article
- Der Beilitz-Prozeß
- Date
- 1913-12-01
- Page
- 547 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Wandervogel. 547 Staatsanwaltes gegen o i e Verteidiger schloß mit einer Mahnung an die Geschworenen, sie möchten daran denken, daß die Juden die letzte Revolution an gezettelt hätten. Dafür sollten sie büßen, und zur Strafe dafür, nicht aber zur Sühne seiner Schuld, sollte Beiliß als Opfer fallen. Ls drohte die höchste Gefahr, daß in den Formen des Rechts das Recht erschlagen worden wäre. Danken wir Gott, daß der böse Plan vereitelt wurde, und seien wir wachsam für die Zukunft. £ Wandervogel. Von Cora Berliner. In Zittau fing es an. Line jüdische Schülerin wurde, nachdem sie ihre Probefahrten absolviert hatte, in die Lifte der Wandervögel nicht ausgenommen, mit der Begründung, der Wandervogel sei eine deutsche Bewegung und könne deshalb keine Juden gebrauchen. Vorstellungen bei der Leitung der Ortsgruppe blieben erfolglos; diese erklärte, sie könne gegen den Beschluß der Führerschaft, die allein über Aufnahme und Richtaufnahme zu entscheiden habe, nichts ausrichten. Der „Fall" gelangte in die Tagespresse. Das „Berliner Tageblatt" verurteilte in einer kurzen Zuschrift „Antisemitismus und Jugendpflege" den Rassenfanatismus in Jugendorganisationen. Lin Führer Wilker griff den Fall auf und schrieb kürz und fachlich gegen die Zittauer in der Führerzeitung, einem inoffiziellen Organ des Wandervogels, das die Führer sich zum gegenseitigen Gedankenaustausch geschaffen haben. Auch dies gelangte in die Presse, ebenso eine einmütige Erklärung des Gaues Elsaß-Lothringen, die vollständige Parität versicherte und jeden Antisemitismus verdammte. Das, war der Anfang, wenigstens sieht's jetzt nach außen so aus. Wer die Verhältnisse näher kennt, weiß, daß der Antisemitismus im Wandervogel gerade so alt ist, wie dieser. Gleichgültig, ob wir uns die Gaue des „W andervogel E. V., Bund für deutsches Jugend wandern", ansehen, der weitaus größten Organisation, .die vor noch nicht Jahresfrist aus dem Zusammenschluß vieler einzelner Verbände entstanden ist, öder den „Altwand erv ogel", die älteste Organisation, öder den „I u n g w a n d e r v o g e l", der glaubt das Selbstbestirnmungsrecht der Schüler gegen die eindringenden Oberlehrer wahren zu müssen — überall, vor acht Jahren wie heute, finden wir Fälle, in denen man den jüdischen Kameraden mehr oder weniger versteckt die Türe weist. Die einzige Ausnahme bildet vielleicht der „ D e u t s ch e M ä n d e r v o g e l", aber seine