Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1913)
- Article
- Der Beilitz-Prozeß
- Date
- 1913-12-01
- Page
- 541 (sequence 13)
- Language
- German
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Der Beiliß-Prozeß. 541 wechens, ob es von einem Wanne mit anatomischen Kenntnissen (kurz gesagt: von einem Schächter), ob es mit außergewöhnlicher Grausamkeit vollbracht worden sei, ob die Verwundung dem Opfer Blut entziehen sollte. Die Psychiater sollten begutachten, ob man aus dem Verbrechen auf die Nationalität des Täters (d. h., ob er ein Jude sei) schließen könne, die Theologen endlich sollten Auskunft geben, ob die jüdische Aeligion die Ermordung von Nichtjuden gestattet. Ein angesehener akademischer Lehrer, Professor Ziemke- Kiel, der Direktor des dortigen Instituts für gerichtliche Medizin, der Vorsitzende der deutschen Gesellschaft für gerichtliche Medizin, hat auf deren Kongreß zu Wien am 22. September das wichtigste der von der Staatsanwaltschaft eingeholten Gutachten, das des Kiewer Psychiaters Sik oski, einer vernichtenden Kritik unterzogen: Seine Behauptungen könnten nicht aufrecht erhalten werden, sie seien in wichtigen Punkten das Ergebnis einer ausschweifenden Phantasie, nicht der kühl abwägenden Vernunft. Ein Urteil über die medizinischen Gutachten kann nur der Fachmann abgeben, aber die folgende Uebersicht über die Angaben der ärztlichen Sachverständigen sagt doch auch dem Laien genug. Die medizinischen Gutachten im Berlitz-Prozetz Fragen Kossorotow- Kiew, Ger. Medizin Pawlow- Petersburg, Chirurg Sikorski- Kiew, Psychiater Bechterew, Psychiater 1. War der Täter! anatomisch gebildet?! Wenig Nein 2. Ist aus der Tat die Nationalität des Mörders zu erkennend Ja Nein 3. Bestand die Absicht, Blut zu entziehen? -Ja*)! Nein'") 4. Wie war der Blutverlust? Sehr stark 1 Starke! innere, schwache äußere Blutungen Das Blut floß wie ein Bach *) Beweis: große Zahl der Wunden. **) Beweis: große Zahl der Wunden, Mediziner.