Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1913)
- Article
- Der Beilitz-Prozeß
- Date
- 1913-12-01
- Page
- 536 (sequence 8)
- Language
- German
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536 Im deutschen Reich. Zunächst erzählt sie, wie Polizei und Untersuchungsrichter ursprünglich -andere Spuren, gegen die Verwandten des Iuschschinski und gegen die Tscheberjak, verfolgten, die nachher versagt hätten. Sie wirft dann ferner die Frage nach dem „Ritualmord" auf und bejaht sie auf Grund der Gutachten von Sikorskis und Pranaitis sowie des Buches eines angeblicher „Neophyt". Sie stellt dann endlich in einem letzten Teil kurz die Verdachtsgründe gegen Beiliß zusammen. Im ganzen zählsie zweiundvierzig Seiten, und von diesen befassen sich nur sieben mit Beiliß. Diese sieben Seiten umfassen alles Material, das gegen den Angeklagten zusammenzubringen war und trotzdem enthalten sie überhaupt kein Material. Den Nachweis, daß Beiliß des Mordes „hinreichend" verdächtig sei. bleibt der Staatsanwalt völlig schuldig. Gerade ihre Dürftigkeit macht die Anklageschrift selber znm stärksten Zeugen für Beiliß' Unschuld. Wir wollen diesen Teil genauer prüfen, wir erfassen damit den Kern des Prozesses. Er lautet (mitgeteift in der Frankfurter Zeitung vom 23. Juni 1913): „Eugen Tscheberjak erzählte einem Studenten namens Golowjow, Iuschtschinski sei mit ihm am 12. März im Gehöft von Berner spazieren gegangen. Das Gehöft von Berner grenzt an die Ziegelfabrik Saizew, wo Beiliß augestellt war. Nach den Angaben Kasimir Schachowskis erzählte ihm Eugen Tscheberjak am 15. März, beim Spiel seien er und Iuschtschinski von einem Mann mit schwarzem Bart erschreckt worden; Schachowski fügte hinzu, nach seiner Meinung sei dieser Mann Beiliß, der an der Ermordung Iuschtschinskis teilgenommen habe. Uljana Schachowski erzählte, während die Knaben spielten, sei ein Mann mit schwarzem Bart gekommen, habe Iuschtschinski gepackt und habe den Knaben in den Ziegelofen geschleppt. Das habe ihr eine gewisse Wolkiwna erzählt; der Mann solle Beiliß gewesen sein. Nachdem der Untersuchungsrichter die Wolkiwna, vre tatsächlich Sacharowa heißt, aufgefunden hatte, sagte diese ihm, sie habe mit der Schachowski niemals ein solches Gespräch geführt. In betrunkenem Zustande erzählte dann die Uljana Schachowski einem Polizeiagenteu ihr Mann habe selber gesehen, wie Mendel Beiliß den Iuschtschinski zum Ziegelosen schleppte. Vor dem Untersuchungsrichter erklärte die Uljana, die erinnere sich nicht mehr Lessen, was sie gesprochen habe, da sie betrunken gewesen sei, und sagte auch, ihr Mann habe ihr nie davon gesprochen, Laß er Beiliß den Knaben zum Ofen habe schleppen seheu In mehreren Verhören reränderten die Ehegatten mehrfach ihre Aussagen. Der vierzehnjährige Engen Tscheberjak sagte aus, er habe Iuschtschinski zum letztenmal zehn Tage vor der Auffindung der Leiche gesehen. Iuschtschinski habe ihn