Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1913)
- Article
- Der Beilitz-Prozeß
- Date
- 1913-12-01
- Page
- 534 (sequence 6)
- Language
- German
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534 Im deutschen Reich, griff immer ein, aber sie wollte die Juden verderben und ci - dem Word einen „Ritualmord" machen. Wie in kanten, v : in Könitz, wie in Polna, so ist auch hier in Kiew die lim ~- suchung irregeführt worden. Mitglieder des Verbau - echt russischer Leute haben mit aller Gewalt dm Justiz auf eine falsche Bahn gelenkt. Sie ftellt dabei noch eine besondere dunkle Macht in ihren Dienst, 1 Suggestion der Massen. Hier liegt ein Schlüssel zum V e r st ä n d n i s d y V e i l i ß - P r o z es s e s. Denn diese dunkle Macht ist schvon Anfang an, noch bevor jemand an Beilist dachte, zu ein. furchtbaren Waffe gegen die Juden umgeschmiedet worde Schon bei der Beerdigung des armen Andreas Iuschtschinsm wurden Aufrufe zu einem Pogrom verteilt. Der Knabe s-n von den Juden zu Tode gemartert worden^). lind es blic: nicht bei dieser lokalen, zunächst auf Kiew beschränkten Propm ganda der Blutbeschuldigung. Wenige Wochen nachher, cnr. 12. Mai, wiederholten in der D u m a 20 Abgeordnete Rechten die gleiche Anklage vor dem Ohr von ganz Rußland. Sie brachten eine Interpellation an den Minister des Innern und den Iustizminister ein und verkündeten von der ersten Tribüne Rußlands herab, den Juden gebiete ihre Religion, christliche Kinder zu ermorden^). Keine Lüge war zu schlecht, wenn sie im Volke den Glauben an den „Ritualmord" erwecken konnm. So erzählte die Rowoje Wremja, die gelesenste antisemitische Zeitung Rußlands, der deutsche Kaiser habe einem vornehmen Russen erklärt, er glaube an solche rituelle Mordverbrechen wie das Kiewer. Auch in Deutschland habe es einen solchen Fall gegeben, aber ans politischen Gründen sei die Sache vertuscht worden. Die deutsche Regierung hat sofort in der entschiedensten Form diese Behauptung zurückgewiesern- Während des Prozesses setzte eine Schreckensherrschaft ein, mir aller Macht sollten die Geschworenen gezwungen werden, Beruß zu verurteilen. Das Gutachten des Paters Prauaitis, der die Ermordung Don Christen für religiöse Pflicht der Juden erklärt, wurde gedruckt an der Gerichtsstätte und in bcr Stadt allenthalben verteilt,- die Geschworenen hatten Angst, .man schlage sie tot, wenn sie den Angeklagten freisprechen-o). Studenten versuchten in Kiew einen Pogrom zu erregen <23. Oktober), in den Stunden vor der Arteilssällung wurde in der Sophien-Kathedrale zu Kiew eine Seelenmesse für Iuschtschinski abgehalten, an der Tausende tet - 1T) D i a k o n M o t s Q) u q o w s k i 8. X. 1S Oft und West 1911 S. 789 ff. 19) Norddeutsche Allgemeine Zeitung vom 5. November. -o) d) e nt a v j a Lewi n in der Berliner Protcswersammsmm vom 20, Oktober.