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Im deutschen Reich · 1913-11-01 · Heft 11 (November 1913) · p. 502

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 11 (November 1913)
Article
Heinrich Heine als Dichter des Judentums [Rezension]
Date
1913-11-01
Page
502 (sequence 3)
Language
German
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502 Im deutschen Reich. gegen Fürsten und Pfaffen, gegen große und kleine Krämer und auch gegen die — Inden gerichtet, denen er seine Schellenkappe und seine Rarrenpritsche zeigt, wo er es für nötig erachtet. So böse ittaucf>c3 Wort gegen sie erscheint, so ist es doch im Grunde — nach einem Worte Fursts — nur „die allerfamiliärste Neckerei". Wahrlich — die Weltseele, die sich ein Organ der Freiheit schuf, mußte ein jüdisches Herz und eine jüdische Stimme als Sprachrohr wählen, denn was konnte besser tönen, alsdie Sprache jahr« rausendaltcr "Unterdrückung, was blendender wirken als der bislang eingeschlossenc und nun erlöste jüdische Geist und Witz? Und wenn sein Träger „die Hände in den Hosentaschen auf dem Parnaß herumspazierte" und gar zu. keck und übermütig seinen Witz herumstreute, sollen wir es' ihm übelnehmen, daß der Sturzbach gar zu brausend über Stock und Steine stürzte? Judentum war für Heine, „den geborenen Feind aller positiven Religionen", den Feind aller „Menschenmäkelci", Familie und engere Heimat, verschleierte Schönheit, Unbeugsamkeit» Größe und Verkrüppelung durch Zwang, der uneingeloste Wechsel auf sein Recht. Lassen wir seine Dichtungen an unserem geistigen Rüge vorüberziehen: Rlmansor — Hebräisch2 Melodien — Rabbi von Vacha rach — Rita Troll — Reisebilder — Memoire über Polen. Dazu kommen vier Aufsätze gegen die Judenverfolgungen in Damaskus» die er als Berichte fiTn die „Allgemeine ZeitunD" im Jahre 1854 geschrieben. — Die Bibel war ihm ein Buch, tit das er sich aufs tiefste versenkte. Plotke hat den Versuch gemacht, zwei Perioden des Dichters partcimannisch einzufangen: die Ingendperiode zur Zeit der Gründung des Kulturvereins und die letzten Leidensjahre des Dichters, in denen er sich zu einem persönlichen Gotte bekannte. Die erstere bezeichnet er als zionistische, die zweite müßte man als „Richtlinien" «Periode bezeichnen; denn Plotke nimmt den Heine der Schlußzeit für das heutige moderne liberale Judentum in Anspruch. ja er geht so weit, die „Richtlinien" in seinem Buche abzudrucken, um uns recht klar zu machen,, daß das eigentlich Heines geläuterter Theismus ist. Beides ist so verfehlt wie nur irgeudmöglich. Der Ausdruck „Zionismus" — auf Heines Jugendzeit angewandt — ist ein reut spielerischer Begriff. Dieser Charakter bleibt dem Worte, auch wenn sich Plotke natürlich darüber klar ist, daß dieser Zionismus auf die Vergangenheit und nicht wie der heutige auf die Zukunft gerichtet ist. Das Programm des Kutturvereins würde den heutigen Zionisten nicht sehr behagen. „Sie wollen die Scheidewand einreißen helfen, die den Juden vom Christen urrd die jüdische Welt von der europäischen getrennt hat. Sie wollen jeder schroffen Besonderheit ihre Richtung gegen das Allgemeine anweisen/ Leine würde dem Vorwürfe des „Ässimilantentums" in der „Iüdrjchen Rundschau" kaum entgehen, wenn er dieses Programm jetzt der Redaktion einreichte. Der Begriff „Zionismus" ist spielerisch ge« braucht, wenn auch der Charakter des Rationalen in dem Judentum um das Jahr 1800 herum noch erheblich starker empfunden werden konnte, als heute die Berechtigung dazu vorliegt. Die Juden waren einheitlich durch die Barrde der Religion, durch Territorium (Ghetto), durch Sprache (Jargon), durch Ausschluß von allem staatlichen Leben ihrer Umwelt. Das Edikt von 1812 beseitigte ausdrücklich den Charakter des Nationalen und ließ nur den einer religiösen Gemeinschaft.

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