Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Article
- Heinrich Heine als Dichter des Judentums [Rezension]
- Date
- 1913-11-01
- Page
- 501 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316829-2316839-2347770--24001-2347835- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Heinrich Heine als Sichler des Judentums. 501 gescheiterte junge Kaufmann kommt 21 jährig zum juristischen Studium, für das der reiche Onkel ^aloinon an Äclte der mittellosen Eltern sorgt. Das (Gefühl für die angestammte Gemeinschsit ist in Heine so stark, daß er dem von Gans, Zunz und Moser gegründeten „Verein^ für Kultur und Wissenschaft der Juden" beitritt und emsig für seine Propaganda bemüht ist. In seiner Jugendzeit schreibt er seine erste Tragödie „Almansor" — in durchsichtiger vvorm, trotz des maurischen Gewandes, eine Tragödie des Iudenfchnrcrzcs 11 nb seines Licbcsunglücks, der unglücklichen Acignng zrr fein er Kusine ^lmalie. „Das; ich für die Wechte der Juden Und ihre bürgerliche Gleichstellung enthusiastisch sein werde, das gestehe ich, und in schlimmen Zeiten, die unausbleiblich snrd, wird der germanische Pöbel ineine Stimme hören, daß es in den deutschen Bierstuben und Palästen widerschaltt" — heißt cs in einem Briefe. — Seine unglückliche Liebe löst seine wunderbarsten Gedichte und zugleich durch ihre Nichterfüllung seine losesten Triebe aus. Er führt in jungen Tagen wie in spateren Jahren ein Litera tenlcben, und da die Verleger damals so wenig Enget waren, wie sie es heute sind, so gelingt es dem Dichter nur, Campe einen Palast aus seinen Werken aufznrichten, er selbst muß sein Lebtag sich 'mit Geldknappheit herum schlagen. So ist er gezwungen, vom Onkel, der ihn nicht versteht, eine Beute annehmen zu müssen. „Wenn inein Neffe was gelernt hätte, brauchte er keine Bücher zu schreiben." Und später: eine Staatspension von der französischen Negierung, was ihn nicht hindert, gegen Thiers, den Urheber dieser Pension, gelegentlich aufzntreten. Ein Versuch, aus der drückenden Abhängigkeit herauszukommen, ist die Taufe — ein mißglückter. Die Hoffnung auf eine Staatsansteltung zerschlug sich. Heine kann nicht heucheln, er kann einen tief bedauerlichen und schwer gebüßten Schritt gegen seine Ueberzeugung tun, aber er kann nicht kalten Herzens die Konsequenzen ziehen. Er bleibt derselbe, der er war. Mit bitterem Spotte überschüttet er seinen früheren Kollegen aus dem Kulturverein, Gans, der es fertig bekommt, zu „christeln", und so eine Professur erlangt. Er selbst geht in die Hamburger Synagoge und hört eine Predigt gegen die getauften Juden an, die untreu werden, „um eine Stelle zu bekommen". Fm Jahre 1831 geht er nach Paris — sein Aufenthalt wird ein dauernder —, sein „Eril", das er mit tiefstem Schmerze als solches empfindet. Die Heimat grüßt er „mit dem freundlichster! Gruße". In dieser Heimat aber werden alle seine Schriften — auch die, die er noch schreiben wird — aufs strengste verboten. „O deutsches Vaterland! teures deutsches Volk! ich bin dein Kunz von der Bosen. Der Mann, dessen eigentliches Amt die Kurzweil, und der dich nur belustigen sollte in guten Tagen» er dringt in deinen Kerker zur Zeit der Not; hier unter dem Mantel bringe ich dir dein starkes Szepter und die schöne Krone —^ erkennst du wich nicht, mein Kaiser? Wenn ich dich nicht befreien kann, so will ich dich wenigstens trösten, und du sollst jemanden' um dick haben, der mit dir schwatzt über die bedränglichste Drangsal und dir Mut einspricht und dich lieb hat, und dessen bester &pa$ und bestes Blut zu deinen Diensten steht." Das ist Herzblut, tiefste Liebe und Herzeleid, ist lachende Träne und Entsagung, ist die Stimme eines Dichters, der von sich weiß und es ausgesprochen hat, daß alle seine Tagesnöte ein Ende hätten, wenn er anders schriebe, als er schreibt ~ er, der Dichter der Freiheit. Seine Worte sind gegen Gott und die Wellregierung,