Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Article
- Heinrich Heine als Dichter des Judentums [Rezension]
- Date
- 1913-11-01
- Page
- 503 (sequence 4)
- Language
- German
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Heinrich Heine als Dichter des Judentums. 503 Nicht minder verfehlt ist die Auffassung über Heines Theismus. Dieser Theismus ist trotz der Geistesklarheit des Dichters, die bis zum Abschluß seines Lebens anhielt, nichts anderes als der Ausdruck einer Sehnsucht, die aus der schweren Leidenszeit der „Matratzengruft" entstanden ist. So ernsthaft Heine auch seinen Theismus aufgefaßt zu sehen wünschte, so bezeichnend ist doch der Scherz, den er auf die griechische Schönheitsgöttin anwandte. Was könne ihm diese Göttin helfen? Sie habe ja nicht einmal Arme. Auch das Faust-Ende in Goethes grandioser Dichtung — der Einzug in den Himmel — ist nichts als der künstlerisch gefaßte Ausdruck der Sehnsucht des Menschenherzens. Was heißt Atheismus anderes — sagt Jens Peter Iacobsen — als das Leben so nehmen, wie es ist? Den Dichter der Freiheit zum Parteimann zu stempeln, ist verfehlt. Der Künstler soll nicht Parteimann sein. Plotke tut ebenso unrecht wie Börne, der das von Goethe und Heine verlangte. Heine selbst wehrt sich dagegen. „Phantastisch, Zwecklos ist mein Lied. Ja, zwecklos Wie die Liebe, wie das Leben, Wie der Schöpfer samt der Schöpfung!" Er wehrte sich auch gegen einen Parteigott. „In der Theologie hingegen muß ich mich des Rückschreitens beschuldigen, indem ich, was ich beretts oben (d. h. an früherer Stelle) gestanden, zu dem alten Aberglauben, zu einem persönlichen Gotte, zurückkehrte/ „Ausdrücklich widersprechen muß ich jedoch dem Gerüchts als hatten mich meine Rückschritte bis zur Schwelle irgendeiner Kirche oder gar in ihren Schoß geführt." Am 17. Februar 1856 starb Heinrich Heine. Kern Priester geleitete die Lerche. Der Dr. Hjerrild sagt — bei Iacobsen —, nachdem er Niels Lhhne standhaft und trotzig sterben gesehen: „Wenn ich Gott wäre, würde ich vrel lieber den selig machen, der nicht im letzten Augenblick noch umkehrt." Gott verzeiht den Lyhnes und den Heines. And Heine wußte das. „Vien me pnräonnerL. C’e3t son m§tier!“ Wem sollte er mit größerem Rechte verzeihen als dem Dichter der Freiheit? t Plotkes Buch ist trotz der Ausstellungen ein gutes Buch. Man sollte es lesen. Es führt uns Heine mit dem Herzen naher.