Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Article
- Heinrich Heine als Dichter des Judentums [Rezension]
- Date
- 1913-11-01
- Page
- 500 (sequence 1)
- Language
- German
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5')0 Im deutschen Reich. grinrich Keine als Dichter des Fudentums. Ein Vcrsilch vorr (B c o r I. P t o t k e. Verlag Earl Rcißrrcr. Dresden 1U13. ^lusführunqen 31t bicfcm Versuch tn>n Nr. ^Alfred Co o l b sch midi, Berlin-Wilmersdorf"). „Eill Schwert sollt Ihr mir auf den Sarg legen, denn ich war ein braver Soldat im Befreiungskriege der Menschheit." Diese Worte des Dichters enthalten den Schlüssel seines Wesens und damit auch seiner Beziehungen zum Judentum. Heine — das ist glühende Liebe zur Cyrcihcit und somit haß gegen jede Form der Knechtung, ungeschminktes Aussprechen dessen, was andere nur zu denken Wägern ist tiefste Erkenntnis und höchstes Bewußtsein» Lebensbejahung und Vohemientnm. Phantasie. Kuuft, -Dorm, Pütz, Mangel an Zügelung» alles in altem: Stärke gegen die tiefste Brandung des Lebens, und Schwäche gegen die Schaumschlägereien des Tages. — Hub nun lassen wir eine solche Seele das Iudcuschichsal des neunzehnten Jahrhunderts erleben» versuchen wir uns in diese Seele und die Zeit, die auf sie einvoiirkte, hineinzudenken, dann werden wir» die wir das Judenschicksal des Endes des neunzehnten und dazu den Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts durchleben, zwar nicht alles billigen, was Heine getan hat, aber wir werden cs leichter verstehen. Dann werden wir ihm trotz des bedauerlichen 'Schrittes vom 28. Juni 1825, der ihn uns äußerlich entriß» den Ehrentitel eines .Kampfers auch für das-Judentum nicht vorenthalten. Sein Leben möge unter dem Gesichtswinkel Judentum — rasch an uns vorüberziehen! Seine Kindheit steht unter oberflächlich jüdischer Erziehung. Sein Vater ist Rationalist und neigt französischem Einfluß zu, die Mittler ist intelligent und energisch» aber nicht übermäßig jüdisch interessiert. Ohne entrüstete Zurückweisung erwarten zu dürfen, .konnte einer seiner katholischen Lehrer auf dem Düsseldorfer Gymnasium. den. Vorschlag machen, den begabten Knaben dem katholischen Klerus ^nzuführen. In Heines Kinderzeit fällt Napoleons Kaiserzeit und oas Vollbürgerrecht der Düsseldorfer Inden unter französischem Einfluß. Wir begreifen die aus dieser Kürderzeit schon stammerrde Mrpoleonverehrung Heines, der das Große nicht minder als die Freiheit liebte. Er sah den Kaiser als Kind — und sah ihn. der das Anmögliche möglich gemacht hatte, wie er stolz und gelassen auf einem Wege ritt, der sonst bei fünf Taler Strafe verboten war. Die Not des Vaterlandes ließ den jungen Heine nicht unberührt: 1815 bot er seine Dienste — wenn auch vergeblich — dem Vaterlande an. — An Frankfurt sieht er das Ghetto in seiner Niedrigkeit, seiner Düsterkeit, seiner Kläglichkeit, seiner Gemütlichkeit. Er erlebt die preußische Reaktion nach der Aranzosenzeit, in Hamburg den ersten Judenkrawall 1819 und den zweiten 1839. D§r *) Wir geben delr Ausführungen des geschätzten Herrn Verfassers gern Raum. Anse re Auffassung über Heine ist unfern Lesern bekannt. Die Redaktion.