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Im deutschen Reich · 1913-11-01 · Heft 11 (November 1913) · p. 488

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 11 (November 1913)
Article
Die konservative Partei und die Juden
Date
1913-11-01
Page
488 (sequence 6)
Language
German
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488 Im deutschen Reich. waren? In Bayern, in Oesterreich-Ungarn und Italien, den beiden Staaten, auf die wir uns im Kriegsfälle stützen müssen, ist es anders. And wie kann Frankreich, trotz seiner jüdischen Offiziere, davon einer sogar kommandierender Genera! ist oder bis vor kurzem war, uns soviel Besorgnis einflößen, als in der letzten Heeresvermehrung zum Ausdruck kam? Daß man in Deutschland alles kritisieren dürfe, nur nicht die Juden, ist eine nicht mehr neue Behauptung der Antisemiten, die kürzlich von den „Berliner Neuesten Nachrichten", freilich unter Verwahrung gegen antisemitische Gesinnung, sodann im preußischen Herrenhause durch den General von Kleist wieder vorgebracht wurde. Allein, wenn wir immer von neuem beobachten, mit wieviel Leichtfertigkeit oder Anehrlichkeit unsere Kritiker verfahren, so kann uns ein starkes Vorurteil gegen absprechende Arteile nicht verdacht werden, so wenig wie eine Empfindlichkeit, die vielleicht im einen oder andern Falle zu weit geht, in der Regel aber nur zu berechtigt ist. Sehr oft aber dienen Nachrichten antisemitischer Zeitungen weniger einem unmittelbaren Angriff gegen die Juden als der Absicht, von Zeit zu Zeit durch irgendeine scheinbar neutrale Mitteilung in den Lesern das Bewußtsein wachzuhalten, daß die Juden etwas anderes als sie selbst seien, und so zu hindern, daß endlich die Kluft sich schließe und das Werk sich vollende, an dem Vernunft, sittliche und politische Notwendigkeit wie die Zeit gemeinsam arbeiten. Daher auch die Gönnerschaft, die der Zionismus bei unseren Gegnern gefunden hat. An dieser Stelle wird der Tagespolitik kein Raum gegeben. Dennoch mögen die .folgenden Bemerkungen gestattet sein, ohne die die Stellung der Konservativen zu uns sich nicht ausreichend beleuchten laßt. Weite Kreise sind der lieberzeugung, daß in grundlegerrden Fragen der inneren Politik, etwa hinsichtlich der Stellung des Monarchen, des Wahlrechts, der Aemterbesetzung, das eigensüchtige Interesse der um die Behauptung ihrer in zum Teil veralteten Verhältnissen wurzelnden NIacht besorgten, den Kern der konservativen Partei bildenden Gesellschaftsklasse, nicht schlechthin das Allgemeinwohl die Entschließungen der Partei bestimmt. And so sicher es ist, daß die überkommene, liebgewordene Form der Religion so manchem Konservativen eine wahre und reine Herzenssache ist, so wenig erscheint es manchem zweifelhaft, daß auch in Fragen der Religion oft genug der egoistische Gedanke die Partei beherrscht: „duckt er sich da, folgt er uns eben auch". Ohne Bedenken dürfen wir annehmen, daß auch der Kampf gegen die Juden diesem egoistischen Triebe entspringt, der namentlich die Stellungen des Staats- und Heeresdienstes dem Kreise der bisherigen Inhaber und ihrer Anverwandten Vorbehalten hat und überhaupt auf die bequeme Sicherung der gesellschaftlichen und

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