Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Article
- Die konservative Partei und die Juden
- Date
- 1913-11-01
- Page
- 487 (sequence 5)
- Language
- German
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Die konservative Partei und die Juden. 487 sowohl die Deutschkonservativen wie die Reichspartei einmütig auf dem unbedingt ablehnenden Standpunkts der Kriegsminister nahm sich diesmal nicht erst die Mühe, zu versichern, daß kein Gesetz der Zulassung entgegenstehe. Eben jetzt soll das deutsche Volk eine Milliardenlast um des Heeres willen auf sich nehmen; auch die Vertreter des überwiegenden Teiles der jüdischen Wähler stimmten zu, und die jüdischen Deutschen werden nicht zurückstehen, wenn es gilt, in erhöhtem Maße dem Vaterlande Soldaten zu steilen und Vermögen zu opfern. Aber wir dürfen sicher sein, daß man eher Offizier- und Militararztstellen unbesetzt läßt, als jüdische Bewerber zuläßt. Gründe der Vernunft und des Rechts sind nachgerade wohlfeil wie Brombeeren geworden; an der ehernen Stirn unserer Gegner, hinter der der brutale Entschluß sitzt, die eigene Macht, das eigene Klasseninteresse und das eigene Vorurteil über alles zu setzen. Müssen auch die besten Gründe abprallen. Der Reichsparteiler Generalleutnant von Liebert befürchtet, das Offizierkorps verliere durch Aufnahme jüdischer Mitglieder seine Homogenität (die seine Partei durch die Mitgliedschaft des Abgeordneten Dr. Arendt noch nicht eingebüßt zu haben scheint), und der Generalleutnant von Görtz stimmt ihm (in der „Kreuzzeitung") bei und stellt fest, daß der jüdische Vorgesetzte bei den christlichen Soldaten keinen Respekt finden könne — was ein seltsames Licht auf Leu im Heere herrschenden Geist der Disziplin und Subordination werfen muß und mit den sonst von Len Aristokraten vertretenen Anschauungen über die Pflicht der großen Masse, sich von bevorzugten Geistern führen zu lassen, in Widerspruch steht, aber auch den Erfahrungen jüdischer Richter wie denen jüdisck^r oder ehemals jüdischer Offiziere und Sanitätsoffiziere widerspricht. Vielleicht darf man fragen, ob das Offizierkorps des Leibgardehüsarenregiments unter mangelnder Homogenität litt, als sein Oberst Herr von Mahner war, oder ob es bei den Offizierkorps der Fall war, denen die Helden aussehenerregender Strafprozesse der Gegenwart, die Niemela, Kolberg, Erd, angehörten. Ich hatte vier jüdische Mitschüler, die sich taufen ließen, Richter, Staatsanwalt und Kriegsgerichtsrat und Reserveoffiziere wurden. Zweien hatte wohl kaum jemand angemerkt, daß sie jüdischer Herkunft seien (der Kriegsgerichtsrat gehörte nicht zu ihnen); einer aber (gegen dessen Geeignetheit für die Offizierswürde durchaus nichts einzuwenden ist) besitzt einen Namen etwa wie Danziger und ein Aeußeres, das ihn ohne Zweifel auch naiven Menschen ohne weiteres als Juden erkennen laßt: soll man sich nun vorstellen, daß die ihm unterstellten Soldaten sicherkundigen, ob er getauft sei, weil sie ihm sonst den Gehorsam verweigern würden, und würden alle vier weniger brauchbare Dsfiziere sein, wenn sie nicht von ihrem Glauben abgesallen