Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Article
- Die konservative Partei und die Juden
- Date
- 1913-11-01
- Page
- 489 (sequence 7)
- Language
- German
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Die konservative Partei und die Juden. 489 wirtschaftlichen Position der korlservativen Bevölkerungsschicht gerichtet ist. Gäbe es wirklich stichhaltige Gründe für eine Zurücksetzung der Juden, so würde sich die „KAeuzzeitrmg", die nach dieser Richtung gewiß feilt .Wort zuviel sagen würde, nicht zu der eingangs erwähnten Anerkennung verstanden haben. Es ist notwendig, noch einen Blick auf die freikonservative Partei zu werfen, deren Mitglied der schon erwähnte General von Liebert ist. Sie besitzt kein antisemitisches Programm. Nicht deshalb, weil zu ihren Führern ein Mann jüdischer gerinnst zählt, Dr. Arendt, der anscheinend seinem Parteifreunde von fiebert nichts entgegenzusetzen wußte. Denn auch in der deutschkonservativen Partei fehlte es zu keiner Zeit an Mitgliedern von mehr oder weniger jüdischer Abkunft. (Beiläufig war es ein rühmenswerter Zug im Charakter des kürzlich verstorbenen Grafen von Limburg-Stirum, daß er den Gräbern seiner jüdischen Borfahren pietätvolle Pflege widmete.) Vielmehr will die Reichspartei, bekanntlich ein nur aus Führern und vereinzelten Anhängern bestehendes Parteigebilde ohne Wählermassen, sich auf Besitzend Bildung stützen, und mit geistesaristokratischen Neigungen ist "Antisemitismus nicht verträglich. Dennoch mußten wir es vor einiger Zeit erleben, daß der greise Frhr. v. Zedlitz im „Dag" von den Juden verlangte, sie sollten in der Frage der Reichserbschaftssteuer sich von den Parteien der sinken abwenden, widrigenfalls müsse man den Antisemitismus gegen sie entfesseln. Nach alledem kommen wir zu dem Ergebnis, daß der Kampf der Konservativen gegen die Juden ein unsachlich-demagogischer, oon egoistischen statt von Bernunstgründen bestimmter, die Mittel der Einschüchterung und Erpressung nicht verschmähender ist. Daraus ergibt sich für uns die Notwendigkeit rücksichtslosen Anlampsens gegen sie, namentlich bei den Wahlen. Wohl gibt es genug konservative Politiker, auch unter den Abgeordneten, die lür ihre Person frei von Antisemitismus sind, mag dies auf ihrer ursprünglichen Sinnesart oder auf Wahlrücksichten beruhen. Aber in den Parlamenten sind sie nicht mehr einzelne, sondern Teile ihrer antisemitischen Fraktion; auch ihre Wahl müssen wir zu verhindern suchen, solange das antisemitische Programm dep konservativen Partei besteht. Nur wer sich verpflichtet, durch die Tat für die Verwirklichung der elementarsten Forderungen der Gerechtigkeit einzutreten, darf unsere Zustimmung finden. Nur ganz ausnahmsweise könnte ein Fall rintreten, wo wir unter Zurückstellung unseres eigenen Interesses um der Gesamtheit des deutschen Volkes willen von diesem Jrundsatz abweichen dürften.