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Im deutschen Reich · 1913-11-01 · Heft 11 (November 1913) · p. 485

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 11 (November 1913)
Article
Die konservative Partei und die Juden
Date
1913-11-01
Page
485 (sequence 3)
Language
German
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Die konservative Partei und die Juden. 483 Kunst auf der irrigen Annahme ihres deutschen Arsprungs beruht. Mögen solche fremden Einflüsse noch so nützlich, notwendig und daher unvermeidlich sein, so wird ihr Erscheinen doch oft genug ein gewisses Unbehagen erwecken. Mutz doch das Neue regelmäßig seinen Platz an der Stelle des bisweilen schon gelockerten, oft aber noch recht festgewurzelten Alten einnehmen; wie sollte es da ohne Kampfe, ohne gewaltsames Verdrängen, ohne Zerstören selbst so mancher liebgewordenen Einrichtungen abgehen? Nur muß man von dem auf höherer Geisteswarte Stehenden verlangen, daß er in alledem den natürlichen, in allem Geschehen immer wieder sichtbar werdenden Prozeß erblicke und das Fortschreiten einer notwendigen Entwicklung nicht unter eigensüchtigen Gesichtspunkten zu hemmen suche. Möglich, daß die Juden infolge uralter und durch harte Daseinsbedingungen verstärkter Ausbildung ihrer geistigen Kräfte beweglich genug sind, um das Neue mit größerer Leichtigkeit auszunohmeu. Unmöglich und nicht erwiesen aber ist, daß sie sich zu Trägern fremder Ideen machen könnten, die nicht auch ohne sie dem deutschen Volke zufließen oder in ihm selbst erwachsen würden, weil sie notwendig lind. Nicht anders steht es mit dem beliebten Schlagwort von der zersetzenden Tätigkeit der Juden, einer der Behauptungen, die nie eine greifbare Form annehmen, daher schwer zu widerlegen sind und ihre tzauptbeweiskraft aus immer erneuter Wiederholung schöpfen. Zersetzung des Bestehenden wirkt wohltätig, wenn ohne sie das bessere Neue nicht eindringt. Man soll freilich keinen Wert zerstören, solange man keinen Ersatz dafür bieten kann; aber was sich von selbst auf wirtschaftlichem Gebiet ergibt, wo mau etwa einen Postwagen nicht eher abschafft, als bis man eine Eisenbahn hergestellt hat, das laßt sich in geistig-sittlichen Dingen nicht immer durchführen, und die Götter Griechenlands waren durch den Skeptizismus der Philosophen längst entthront, ehe sie durch das Christentum ersetzt wurden. Wie man nun hierzu stehen mag: Den Beweis, daß. gerade Juden zerstören, wo sie nicht auch aufzubauen vermögen, wird man schwerlich erbringen können. Fragt man, was im Sinne des Antisemitismus „echt jüdisch" sei, so kann die Antwort nicht lauten: „Was dem objektiven Beurteiler sich als seinem Wesen nach jüdisch erweist", sondern nur: „Was dem Beurteiler persönlich zuwider ist und ihm als tatsächlich von Juden stammend bekannt ist". Ergötzliche oder traurige Beispiele liefert jeder Tag. Erst kürzlich wurde in dieser Zeitschrift das klassische Beispiel der „Deutschen Tageszeitung" mitgeteilt, die den Juden allen Sinn für deutsches Wesen abspricht, aber das Buch eines Schriftstellers» dessen Zugehörigkeit zum Judentum sie nicht kannte, nicht laut genug

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