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Im deutschen Reich · 1913-11-01 · Heft 11 (November 1913) · p. 484

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 11 (November 1913)
Article
Die konservative Partei und die Juden
Date
1913-11-01
Page
484 (sequence 2)
Language
German
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484 deutschen Reich. nach den für die Konservativen und ihre ausgesprochen antisemitischen Schützlinge wenig günstig verlaufenen Reichstags- Wahlen, las man es dann freilich ein wenig anders. Nun fand sich, daß gerade kurz vor und in den letzten Reichstagswahlen der verhängnisvolle und zersetzende Einfluß jüdischen Geistes in der Presse, nicht zuletzt in den Witzblattern sich starker als je geltend gemacht habe, daß eine ganze Reihe von Vorgängen im Kunst- und Geschäftsleben das Vorherrschen jüdischer Praktiken gezeigt habe, von denen das deutsche Volk verschont werden und an deren Bekämpfung die solide jüdische Geschäftswelt selbst das größte Interesse haben müsse, daß sorgfältige Beobachtungen gezeigt hätten, daß anders als noch vor zwei Jahren der Kampf zwar keineswegs gegen die Juden in ihrer Gesamtheit, aber doch gegen den zersetzenden Einfluß auf das Volksleben dringend nötig sei, daß übrigens der staarstreue, geschäftlich solide, ernsthafte Jude, der sich in die deutschen nationalen Ideale eingelebt habe, der konservativen Partei willkommen sei, sich mit Recht größter Achtung erfreue und, häufig voller Verständnis gerade für konservative Ziele und Ideen, jenen zersetzenden Einfluß gleichfalls bekämpfe. Nichtsdestoweniger hat der konservative Parteitag die Aenderung seines Programms abgelehnt. Ist der antisemitische Standpunkt der Konservativen berechtigt? Für uns heißt ja diese Frage aufwerfen zugleich sie verneinen. Freilich, daß das deutsche Volk ein Recht darauf hat, vor undeutschen, d. h. seiner innersten Natur widerstrebenden Einflüssen bewahrt zu werden, und daß eine Auflösung der bestehenden Verhältnisse ohne eine Ersetzung durch bessere und würdigere ein bekämpfenswertes Hebel wäre, ist nicht zu bezweifeln. Um so mehr dagegen, daß gerade die deutschen Juden in der Gegenwart oder selbst in der Vergangenheit Anlaß gegeben haben, sie als Träger verderblicher Einflüsse anzusehen. Die Phrase ist ein so gefälliger Deckmantel! Das deutsche Volk Ist viel zu groß und innerlich gefestigt, als daß es nicht Einflüsse, die seinem Wesen zuwider sind, von selbst mit sicherem Instinkt ablehnen würde. Sodann aber wächst die Kultur eines Volkes wesentlich durch Zuführung von Bestandteilen fremder Kulturen, in einem Maße, daß einerseits Völker, die sich vor solchen verschließen, aus der Reihe der führenden Nationen ausscheiden, andererseits kein Kulturvolk auf irgendeinem Gebiete schlechthin Originalität in Anspruch nehmen könnte, alles vielmehr, die ursprünglichen Grundlagen wie die feinsten Ausläufer der Kultur, bis zu irgendeinem Grade seine Entwicklung andern Völkern mit verdankt. Dies im einzelnen zu belegen, ist nicht erforderlich.» Manches Fremde wird mit solcher Entschiedenheit ausgenommen, daß es schließlich als ein eigenes Erzeugnis angesehen wird, wie etwa der Name der gotischen

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