Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Article
- Kiew
- Date
- 1913-11-01
- Page
- 482 (sequence 2)
- Language
- German
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4 52 Im deutsch eil Reich. wegen Mordes aus rituellen Gründen AU erheben. Gewiß verdient der Beschuldigte nach allem, was bisher in die Oeffentlichkeit gedrungen ist, unser Mitgefühl. Unser Herz muß sich bis ins Tiefste betrüben, wenn wir derer denken, die, ob solcher Barbarei unglücklich geworden und unglücklich sind und in Zukunft unglücklich werden. Wer weiß, ob dieser Prozeß nicht erst das Vorpostenfeuer zu neuen blutigen Kämpfen gegen die Juden in Rußland anzeigt? Was Lun? Man hat an vielen Orten jüdische Protestversammlungen abgehalten. Zu welchem Zweck? Sollen wir immer wieder versichern, daß wir nicht Verbrecher von Religions wegen sind? Das haben Juden oft genug betont. In einem seinerzeit weit verbreiteten offenen Briefe an Liebermann von Sonnenberg hat im Jahre 1902 der ehrwürdige Rabbiner Dr. Münz in Gleiwitz erklärt: „Ich erhebe meine Hand zum Himmel und schwöre: Das Judentum und die Juden kennen keinen Ritual» mord. Das Judentum und die Juden empfinden Grauen und Entsetzen, wie vor den schwersten, gräßlichen Verbrechen» Dor den sogenannten Ritualmorden, die man ihnen unterschieben will. So tief das Meer, so hoch der Himmel, so heilig. Gott der Herr selber ist, so groß, so gewiß, so über jeden Zweifel erhaben ist die Anschuld Israels in allen Blut» anklagen, die man gegen dasselbe erhoben. Israels Hand» ist rein von Blut." Dieses Wort eines Priesters und Ehrenmannes hat ebensowenig zu erreichen vermocht, daß Herr von Liebermann seine Behauptungen widerrufen hätte, als daß die Schar der Antisemiten überzeugt worden wäre. Protestversammlungen von Juden sind also leider nichts . als leere Demonstrationen. Was also tun? Nicht nur die Tranen der Anglücklichen trocknen, welche infolge des neuem Prozesses zu leiden haben, gebietet die Stunde. Wir müssen auch in Deutschland daran arbeiten, daß die zahlreichen Spuren, des Aberglaubens, der falschen Urteile, der Entstellungen über die jüdische Lehre schwinden, wir müssen insbesondere durch das Mittel der Organisation Licht in die auch bei uns nicht geschwundene Finsternis bringen. Die Akten des Eentralvereins sprechen eine beredte Sprache davon, daß auch heute noch in