Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Article
- Kiew
- Date
- 1913-11-01
- Page
- 483 (sequence 3)
- Language
- German
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Die konservative Partei und die Juden. 483 Deutschland das Märchen vom Ritualmord durchaus kein Marchen genannt werden kann?) In christlichen Kreisen muß die Empfindung für Wahrheit und Recht soweit gestärkt werden, daß auch für Fragen des Judentums der sittliche Wille auf Durchführung praktischer Nächstenliebe Gemeingut wird. Dann wird es nicht ansbleiben, daß unsere christlichen Mitb ü r g e r Protestversammlungen mit christlichen Rednern und christlichen Hörern einberufen werden, damit der Schrei der Entrüstung der Juden heit über die Ritualmordmäre ein Schrei der Entrüstung der Menschheit werde. Nach dem Prozesse gilt es weiter zu sprechen! L. H. Die konservative Partei und die Juden. Bon Rechtsanwalt I)r. Arthur Kallmann, Berlin. Es ist bekannt, daß die konservative Partei in ihrem sogen. Tivoliprogramm von 1892 Bekämpfung „des vielfach sich vor» drängenden und zersetzenden jüdischen Einflusses auf das Volksleben und christliche Obrigkeit und christliche Lehre" forderte. Ein Antrag, auch die Bekämpfung zersetzender Einflüsse anderer Herkunft zu verlangen, wurde abgelehnt. In Vorbereitung des konservativen Parteitages von 1913 beschloß der engere Partei- Vorstand, „unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine Abänderung der das Judentum betreffenden Parteiprogrammstelle nicht eintreten zu lassen." Mit der Anregung einer Aenderung hatte im September 1911, also nicht lange vor den Reichstagswahlen von 1912, die „Kreuzzeitung" überrascht; sie schrieb, die konservative Partei in ihrer großen Mehrheit habe sich davon überzeugt, daß jene Stelle sich praktisch nicht mehr rechtfertigen lasse; auch im Judentum seien konservative Kräfte lebendig und wirksam, wie die erfreuliche Tätigkeit zahlreicher jüdischer MäNner im praktischen Leben, in Wissenschaft und Kunst täglich zeige, während die im Judentum so auffallenden destruktiven. Kräfte sich leider in reichem Maße auch bei rassereinen Deutschen entwickelt hatten. Und nach einigen Tagen wiederholte sie, trotzdem Widerspruch erfolgt war, daß auch im Judentum sich positiv Gutes und Anerkennenswertes entwickelt habe und den Juden im allgemeinen staatstreue Gesinnung, geschäftliche Solidität/religiöser Ernst, positive Leistungen in Wissenschaft und Kunst sich nicht absprechen ließen. „Nach Tische"» d. h. *) Im verflossenen Winter hatte der Centralverein sich mit drei: «Ritual"mordangelegenheiten in Deutschland zu befassen!