Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1913-10-01
- Page
- 470 (sequence 3)
- Language
- German
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470 Im deutschen Reich. zunächst für alle Katholiken deutscher Junge", fanden wir eine non W. Stern in Wien verfaßte Rezension über das bekannte antisemitische Buch „(s> r o ß m achtere s s e" von Dr. I o s. Eberle in München, die von Beleidigungen und Schmähungen gegen das Judentum strotzt. Herr Direktor Riescrt teilte uns infolge der deshalb erhobenen Beschwerde über die Rrt dics r Kritik des Herrn Stern mit, er habe diesem die Beschwerde zur Aeußcrung überwiesen und ihm gleichzeitig ernste Vorhaltungen gemacht. Herr Stern habe geantwortet, daß er nur österreichische Verhältnisse im Auge gehabt habe; darin sei immerhin eine Anerkennung für das reichsdeutsche Judentum zu erblicken. Herr Gvmnasialdirektor Riescrt fügte hinzu: „Mir liegt persönlich jeglicher Antisemitismus fern und ich gestehe ganz offen, daß ich die Ausdrücke, die der Referent gebraucht hat, nicht billige. Der Artikel würde in seiner jetzigen Form kaum ausgenommen worden sein, wenn ich damals, als ich von Münster nach Bocholt übersiedelte. Zeit gehabt hätte, das Manuskript und später die Korrektur zu lesen? — Wie uns mitgeteilt wurde, befindet sich in verschiedenen Schulbibliotheken unter anderen auch das Buch „Sin Hohenweg" von S. Keller, Verlag von Otto Rippe! in Hagen, dessen Inhalt zwar nicht direkt antisemitisch ist. aber vollständig den Standpunkt der Indenmission vertritt. so daß in den Schulen, in denen jüdische Schüler und Schülerinnen das Buch erhalten, nachteilige Folgen unausbleiblich sind. Es ist deshalb wünschenswert, daß unsere Ortsgruppen Erkundigungen einziehen, ob sich das fragliche Buch in der Schulbibliothck befindet, und gegebenenfalls für die Entfernung des der Prosyletenmacherei dienenden Buches an geeigneter Stelle Sorge tragen. — Im Verlage von Otto Spamer in Leipzig erschien in der 33. Auflage das „Buchder s ch ö n st e n Kinderunb Volksmärchen". herausgegeben von Ernst Lausch, in welchem sich das Märchen „Friede! und Fiedel" befindet. In diesem Märchen wird der Jude als Wucherer und gemeiner Dieb hingestellt und in einer mauschelnden Redeweise vorgeführt, so daß die Absicht, ihn verächtlich zu machen, deutlich zutage tritt. Die Erzählung atmet einen derartigen Judenhaß, daß man sich bei der Lektüre ins dunkelste Mittelalter zurückversetzt glaubt. Das leicht empfängliche Gemüt der Jugend, für die das Buch bestimmt ist, wird durch einen solchen Lesestoff mit Rassen- und Klasscnhaß erfüllt und zur Verachtung des Judentums erzogen. Wir bitten Rabbiner und Lehrer, ihr Augenmerk darauf zu richten, daß das Buch aus den Schülerbibliotheken ferngehalten bzw. entfernt wird. — Am 29. August ist in Vad Homburg Herr Geh. Recsierungsrat Dr. Hermann Aron, Professor an der vereinigten Artillerie- und Ingenieur-Schule in Berlin, infolge eines Herzschlages verstorben. Der Dahingeschiedene, der unserm Centralverein kurz nach der Begründung beiqetreten war, hat für unsere Bestrebungen bis zum Lebensende ein reges Interesse bekundet. Dem in weiten Kreisen hochgeschätzten, treuen Mitglieds bewahrt auch unser Verein ein ehrendes Andenken! — Ium ehrenden Andenken an ihren am 19. August dieses Jahres verstorbenen Gatten, der als Mitglied einer württembergischen Ortsgruppe unserm Verein ange« hört hat» ließ uns die Witwe eines treuen Mitgliedes 200 Mark zugehen. Da die Spenderin gebeten hat» von einer öffentlichen Danksagung abzusehen, begnügen wir uns damit, den Akt der Pietät zur Kenntnis unserer Leser zu bringen.