Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1913-10-01
- Page
- 469 (sequence 2)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 469 In wie weit der Centralverein ^den zionistischen Gedanken scharf bekämpft", geht klar aus seiner Resolution vom 30. Marz d. Is. hervor, in der es heißt: „Soweit der deutsche Zionist danach strebt, den entrechteten Juden des Ostens eine gesicherte Heimstätte zu schaffen oder den Stolz des Juden auf seine Geschichte und seine Religion zu heben, ist er uns als Mitglied willkommen. Von dem Zionisten aber, der ein deutsches Nakionalgefü^l leugnet, sich als Gast im fremden Wirtevolk und national nur als Jude fühlt, von dem müssen wir uns trennen." -- Unter der Aeberschrift „(Lin Streifzug ins Böhmische" brachte die konservative „Schlesische Zeitung" am 10. August eine Schilderung einzelner Wahrnehmungen, über die Art und Wei.se tschechischen Wirkens und Wesens jenseits der schlesischen Landes-- grenze, wo deutscher Laut und deutsche Schrift kraß verschwinden, amtliche Aufschriften, die Schilder über den Läden und das Wortacschwirr der Dorfbewohner durchweg tschechisch sind. Der Berichterstatter des sonst wenig judenfrenndlichen Blattes ergänzt seine Schilderungen aber durch eine Wahrnehmung, die ihn offenbar überrascht hat. weil ihm die Tatsache bisher fremd war, daß die Juden in vielen Ländern ircuc Pioniere des Deutschtums sind. Gr sagt: „Auf fast allen Denksteinen des Iudenfriächofcs, bis in die neueste Zeit hinein, finden sich neben den Inschriften in hebräischer Sprache nur deutsche Inschriften. Das ist kein Zufall, denn der Jude deutscher A b st a m m u n g i n B ö h m e n verleugnet seine h e r k u n f t nichts er pflegt das Deutsche als seine Amgangssprache, wie ich das abends im Hotel beobachten konnte, wo sich verschiedene jüdische Kausleute zum „Schafkopf" eingefunden hatten. Sonderbar... an den Rachbartischen saßen Herren, beiten man den deutschen Volkstyp schon, von weitem ansah, die vorzüglich deutsch sprechen konnten... und ihre Amgangssprache war tschechisch." — Daß es nicht die Juden waren, die in Böhmen und Mähren zur Vergrößerung der tschechischen Spraä>grcnzen beigetragen haben, wird uns auch von anderen Seiten versichert, denen das gar nicht sonderbar erscheint. Ein Beispiel für viele: Ein jüdischer Geschäftsreisender, der im Rheinland lebt, erhielt von seinem hause den Auftrag, ber seinem Aufenthalt in Prag einen Abnehmer, der früher der Iirma große Bestellungen überwiesen, seit Jahren aber ihre Reisenden gar nicht mehr empfangen habe, dennoch aufzusuchen. Im Hotel 1 eilte man dem Reisenden mit, das sei verlorene Mühe; der tschechische Geschäftsmann kaufe nicht ber Deutschen. Der junge Mann ließ sich aber nicht abschrccken und bat in deutscher Sprache einen Angestellten des Tschechen, ihn zu melden. Zu seiner Verwunderung wurde er ohne weiteres empfangen, und als er dem Prager Kaufmann gegenüber sich nach dem Eintritt in das Privat» kontor entschuldigte, daß er sich des ihm von seinem Chef erhaltenen Auftrages nur in deutscher Sprache entledigen könne, durch die Antwort erfreut: „Das ist mir lieber, als wenn Sie wie Ihre christlichen Vorgänger mir dadurch Aufträge entlocken wollten, daß Sie notdürftig tschechisch radebrechen. Ihr rheinischer Dialekt heimelte mich sofort an, da ich mich meiner Lehrzeit in Köln gern erinnere, wo man gegen katholische Tschechen ebensowenig intolerant war wie gegen Juden. Meine Angestellten waren angewiesen, tschechisch-radebrechende „Alldeutsche" abzuweisen, Sie aber bekommen einen erheblichen Auftrag!" — In dem von Herrn Ghmnasialdirektor Professor Ed. Niesert in Bocholt herausgegebenen „Literarischen Handweiser,