Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Berlin
- Date
- 1913-10-01
- Page
- 464 (sequence 3)
- Language
- German
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464 Im deutschen 9vcid). knndzugeben, das; cs „n i ch t. m o f a i f d)“ ist. Jeden fragt sich, was bedeutet eine solche Aukündiquna? Die einfache Loqil wird sagen, liegt darin die Adsi.cht, srh einen Vorzug vor mosaischen Warenhäusern 311 vindizieren; und cs liegt nah', anzunehmen, daß diese Warenhäuser als minderwertig hingestellr werden sollen. Die Mitteilung dieser Tatache er,cheint dcnt scmitenblatt als Boykottierung des Warenhauses. Eine Duisburger Firma erklärt es als G e s chä f t s g r u n d s a tz. n u r ch r i st l i ch e L Persona! anzustellen, .erklärt aber nicht als Gesck>ästsgrundsatz, auch nur an christliche Kunden zu verkaufen. Die Mitteilung dieser Tatsache aber gilt dein Antiiemitenblatl als Verhängung des Boykotts seitens des Centraloereins über diese Firma. So wird einfach jeder Tatbestand so lange herumgcbreht, bis schließlich selbst die nur berechtigte Abwehr wirtschaftlicher Schädigungen und Boykottierung als „Boykott" bezeichnet wird." Wird die „Deutsche Tageszeitung" und die „Krcuzzeitung". welche den Artikel der „Tageszeitung" nachgcdruat hat, soviel Anstandsgefühl haben, ihre völlig verdrehte Darstellung 311 bo richtigen? — Antisemitische Wahrheitsliebe. In einem Zinssatz der Ar. 66 der „Deutsch-sozialen Blatter" vom 16. August finden sich „Vorschläge für den Kampf gegen das Judentum", auf die einzugehen wirklich und wahrhaftig nicht notwendig ist. Nur ein Satz des Artikels ist nicht uninteressant; er lautet nämlich: „Die Iudenreligion? Wer kennt sie? Erst neulich wieder hat der Rabbiner Goldmann unserem Mitstreiter VH. Stanff den Antrag auf amtliche Antersuchung der Indenreligion abgeschlagen!" Wer diese Zeilen liest, muß natürlich den Eindruck haben, daß Pr. Goldmann sich gegen eine amtliche li n 1 c r f u d> u n g ausgesprochen und gewehrt hat. Das gerade Gegenteil ist aber der Fall. Dr. Goldmann hat darauf hingewicfcn, daß wir Juden eine amtliche Antersuchung nicht verlangen, weil es Sache des Angreifers sei, seine Verleumdungen zu beweisen. Wörtlich fährt aber der Artikel des Pr. Goldmann fort: „Wir haben nichts dagegen, daß man unsere Lehre so genau wie möglich untersucht, sei es vor: Staats wegen, fei es von privater Seite, sei es durch „arische" Gelehrte, sei es durch andersras srge. Ansere Lehren liegen offen da, jeder mag in sie ein drin gen, und wir freuen uns, wenn dies recht gründlich geschieht." Die grobe wahrheitswidrige! Verdrehung der „Deutsch-sozialen Blätter" sei hiermit festgenagelt. Anständig denkende Menschen haben von der deutschen Ehrlichkeit, deren sich diese Kreise so laut und aufdringlich zu rühmen pflegen, ganz andere Begriffe. — Die „Deutsch-sozialen Blatter" bringen seit einiger Zeit unter dem geschmacklosen Titel „Schnitzel zur I u d e n k u n d cu Fälle von Verurteilungen von Juden, um zu zeigen, wie grundschlecht und verdorben sie sind. In ihrem Eifer, den Inden eins anzuhangen, gehen sie dabei zuweilen mit der Wahrheit nicht ganz genau um. So erzählten sie in Nummer 6ü, daß der jübtfclyc Kaufmann Siegel wegen Sittlichkeitsverbrechen 311 2'ch Jahren Gefängnis verurterlt wurde. Es ist aber völlig aus der Luft gegriffen, daß Siegel Jude ist; er ist evangelisch und stammt auch nickt von Juden ab. Der sozialdemokratischen „Oberhessischen Volkszeitung" aus der das antisemitische Blättchen die Notiz übernommen hat, ist eS gar nicht eingefallen, das Wort „jüdisch" beim Fall Siegel