Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Berlin
- Date
- 1913-10-01
- Page
- 463 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 463 gebracht zn sehen. Er erzieht seine Mitglieder in der Abneigung und Verachtung gegen die Juden und verlangt von diesen Juden, daß sie eine solche Beschimpfung ruhig hinnehmen sollen. Die jüdische Geschäftswelt hat nach dieser Auffassung nicht das Recht, sich gegen diese Elemente zu wehren. Angehörige dieses antisemitischen handlungsgehilfenverbandcs fanden sich bereit, in den Dienst jüdischer Firmen zu treten und vereinzelt dabei die Gelegenheit zu benutzen, kleine Verstöße auszuspionieren, um sie dann "zur Anzeige zu bringen, hetzen wir einmal vor* aus, daß solche Fälle äußerst selten vorgekommen sind, so genügt doch die einfache Tatsache, daß einem Juden nicht zugemutet werden kann, einen Anhänger des Antisemitismus i \ ein Vertrauensverhältnis aufzunchmen, der in seinem Chef einen Mann erblickt, der ihm nicht ebenbürtig ist, um es als unwürdig zu bezeichnen, wenn wir uns nicht dagegen wehrten. Der Deutschnationale haudlungsgchilfenverband b o y k o tti er t also die jüdischen Handlungsgehilfen, verwert sich aber selbst darüber, daß der„Centralverein deutsck)er Staatsbürger jüdischen Glaubens" die jüdischen Geschäftsinhaber aufsordert, diesen Boykott ihrer Glaubensgenossen nicht ruhig hinzunehmen und ihr Haus vor Antisemiten reinzuhalten. Die „Deutsche Tageszeitung "nennt das „jüdischen Boykott" und bezeichnet ebenso das Borgehen des Centralvereins gegen Firmen, die jüdisches Personal grundsätzlich ablehncn. Auch hier erblickt das antisemiti che Organ nicht in dcr^-irma den Boykottierenden, sondern der Boykottierende ist „natürlich der Centraloerein", der unsere Glaubensgeme.n* schaft darauf aufmerksam macht, daß eS hier oder dort eine Firma gibt, die stellungsuchendcn jüdischen jungen Leuten das Brot vorenthält, aber gern sicht, daß ihr jüdische Kundschaft dies in reichem Maße zu führt. Der „Deutsche Schulverein" verlangt bei allen "-Ausschreibungen von Lehrerstellen von den Bewerbern den Taufschein, lclntt also Lehrkräfte jüdischen Bekenntnisses grundsätzlich ab. ko t c werden also boykottiert. Aicht „grundsätzlich" aber lehnt der „Deutsche Schulverein" die Beiträge ab, die ihm von Juden oft in reichem Maße zufließen. Wenn nun der „Centralverein" unsere Glaubensgenossen darauf aufmerksam macht, daß dieser Schulverein jüdi che Lehrer nicht anstellt und im Anschluß daran ausfordert. un e.e G.aubensgenosscn mögen dies auch bei Beiträgen, die sie etwa leistenwollten, berücksichtigen, werden nach der Logik der Antisemiten nicht die jüdischen Lehrer boykottiert, sondern der Schulverein ist der, über den „der Boykott verhängt" wird. Die Badedirektion Berg^Dievenow sucht einen Arzr christlichen Bekenntnisses, schließt also Juden von der Bewerbung aus. Das nennt man logischerweise einen „Boykott jüdischer Aerzte". Der Centralverein teilt dies erst öffentlich mit, nachdem er dir Ba^edirektion um Auskunft gebeten hatte, wie sich die c^ache verhalt. Die Badedirektion erklärt, sie selbst sei nicht antisemitisch, aber sie habe dem Wunsche eines großen Teiles der jährlich wiederkehrenden „Kurgäste" entsprechen zu müssen gig'audt. Im Interesse der antisemitischen Badegäste dieses Kurortes wird der jüdische Arzt-Bewerber ausgeschlossen. Der Centralverein macht unsere Glaubensgenossen darauf aufmerksamdie antisemitische „Deutsche Tageszeitung" wendet sich nun nicht gigen den Boykott, den die antisemitischen Kurgäste und deren Wun che entsprechend die Badedirektion verhängt hat, sondern jir erblickt in der Mitteilung dieser Tatsachen seitens des Centraloereins eine Boykotterklärung gegen den Badeort. Weiter: In Dresden beliebt es einem Warenhaus, in Ankündigungen