Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Gegner des Gleichberechtigungskampfes
- Date
- 1913-10-01
- Page
- 460 (sequence 12)
- Language
- German
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460 Im Deutschen Reich. des Centralvereins nicht das Interesse am Judentum und der Trieb zu jüdischer Arbeit erweckt worden sind, werden keinesfalls die Regel, sondern höchst bedauerliche, aber sehr seltene Ausnahmen bilden. - Ein Blick in das Leben bestätigt diese theoretische Annahme. Die vorbereitende Arbeit des Centralvereins hat alle?! Gebieten und Lagern des Judentums ohne Ausnahme frifd>c und freudige Kräfte zugeführt. Ein gutes Stück der "Arbeit in den Gemeinden, den Hilfsorganisationen, bei den religiösen und politischen Parteien wird von Männern und Flauen geleistet, die durch den Eentralverein dem Judentum wieder zugeführt worden sind. Die direkte Arbeit, die der Gleichberechtigungsgedanke geleistet hat, ist gewiß außerordentlich groß, die indirekte aber ist gar nicht zu übersehen, denn Tausende sind es an Zahl, die nur darum wieder zu jüdischer Betätigung geführt worden sind, weil der Centralverein in ihnen das jüdische Gefühl erweckt hat. Cs sollen und können in diesem Rahmen durchaus nicht alle Cinzelerfolge seiner inneren Missionstatigkeit aufgeführt werden. Rur der eine sei hervorgehoben! Wenn heute die Bekämpfung des Taufjudentums von immer größeren Scharen unserer Glaubensgenossen als moralische Verpflichtung empfunden wird, so bedeutet das eine sichtbare Wirkung der Enveckung des Chrempfindens und des Selbstbewußtseins durch den Centralverein. 'Der Kampf ums Recht allein macht das Judentum nicht aus, und die Mitgliedschaft im Centralverein stempelt noch nicht zum guten Iudeir, aber sie erzieht dazu! And zusammenfassend können wir feststellen, daß der Gleichberechtigungsgedanke, den der Centralverein vertritt, ein unumgänglich notwendiger und gut jüdischer ist, die prophetische Forderung der unbedingten Gerechtigkeit, die prophetische Betonung des Rechtes und Wertes der Persönlichkeit! Der Weg, den er eingeschlagen hat, erweist sich bei jedem Schritte, als segensreich und er hat gerade dadurch, daß er sich dem Kleinen zuwandte, ein großes Betätigungsgebiet für seine Forderungen geschaffen, hat für die Charakterbildung der einzelnen Juden Außerordentliches geleistet, hat in ihnen neben Selbstbewußtsein und Ehrgefühl den Sinn und die Lust zur Erfüllung anderer jüdischer Aufgaben erweckt. Seine praktischen Erfolge bestehen weniger darin, daß er mit seinen mehr als 35 000 Mitgliedern die stärkste jüdische Organisation Deutschlands geworden ist, als daß er die Masse aus ihrer behaglichen Philisterruhe aufgeschreckt und unendlich viele Einzelkräfte jüdischer Arbeit wieder zugeführt hat. Der Eentralverein als Organisation ist gewiß nicht über Me Kritik erhaben, wohl aber seine Idee! Mag auch im