Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Gegner des Gleichberechtigungskampfes
- Date
- 1913-10-01
- Page
- 459 (sequence 11)
- Language
- German
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Gegner des Glcichberechtigurigskampses. 459 gilt auch dem Judentum. Diese Empfindung eines Eigenwertes, das Mehr an Selbstbewusstsein und Charakter, das er erfahren hat, kommt aber naturgemäß dem eigentlichen Urheber des ganzen Vorganges, eben dem Judentum, zugute, und die Handlung, die dem Außenstehenden vielleicht kleinlich erscheinen mag, hat das innere jüdische Gefühl des Verletzten weit mehr gefördert, als wenn er noch so viele begeisterte Reden über die Zukunft des Judentums angehört hatte. Wie sehr man aber auch geneigt sein mag, den subjektiven Erfolgen der Kleinarbeit gegenüber die objektiven geringer einzuschätzen, so wenig soll man vergessen, daß viele Kleinigkeiten ein Großes ergeben und daß die Erziehung des Juden durch den Gleichberechtigungskampf seine tatsächliche Stellung in der Öffentlichkeit bedeutend verbessert hat. Die andersgläubige Welt beginnt doch zu merken, daß der Jude nicht ein Spielball ihrer Launen ist, und obwohl es für die Praxis nicht sonderlich viel bedeuten mag, wenn der Radauantisemitismus zurückgetreten ist, so legt doch diese Tatsache davon Zeugnis ab, daß man im Auftreten vorsichtiger geworden ist. Eine gewisse Achtung bringt man, mag man ihn auch vielleicht hassen, d e m Juden — aber nur ihm — entgegen, der sich nichts gefallen laßt, der sein Recht zäh verteidigt, und besonders in der Provinz, wo die Menschen gezwungen sind, mit ihren Mitbürgern in nähere, enge Beziehung zu treten, wird man als eine doppelte Wirkung unseres Kampfes um die Gleichberechtigung feststellen können, daß der Andersgläubige zum mindesten achtungsvoller, vorsichtiger und höflicher, der Jude wirklich freier, sicherer und selbstbewußter geworden ist. Und gerade in diesen letzten Tatsachen liegt begründet, warum auch jene anderen Aufgaben des Judentums, die man als positive bezeichnet — der Name „konkret" wäre weit passender —, durch den Gleichberechtigungskampf eine bedeutende Förderung erfahren. Denn der Jude, den die Centralvereinsarbeit erzogen hat, ist naturgemäß leicht für die anderen, die speziellen Aufgaben des Judentums, zu gewinnen. Wer Selbstbewußtsein errungen hat, wird über die Grundlage seines Stolzes Nachdenken und bald erkennen, daß es noch nichts Positives und Ganzes ausmacht, wenn man die Gleichberechtigung einer Gemeinschaft erkämpft, im übrigen aber sich um ihre Leiden, und Aufgaben nicht kümmert. Schon der Kampf um das Recht an sich entfernt sich ja gar oft vom Boden des rein Abstrakten, des rein Menschlichen und Sittlichen. Schon dort handelt es sich oft um das gleiche Recht des jüdischen Kultus, des Religionsunterrichts usf., also um positiv jüdische Dinge, für deren Recht man nicht kämpfen kann, ohne an ihnen selber ein Interesse zu haben. Die Fälle, in denen bei einem eifrigen Anhänger der Ideen