Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Gegner des Gleichberechtigungskampfes
- Date
- 1913-10-01
- Page
- 458 (sequence 10)
- Language
- German
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45B Im deutsche!; Reich. arbeitet. Das erhöhte Selbstbewußtsein stärkt naturgemäß das Verantwortungsgefühl, und so ist die Popularisierung des Gleichberechtigungslarnpfes zu einem Erziehungsmittel ersten Ranges geworden, dessen glänzende Ergebnisse in den letzten zwanzig Jahren nur. übersehen kann, wer die Rügen verschließen und die Wendung zum Besseren nicht anerkennen will! Mit dieser Wirkung aber sind wir zu der Frage gekommen, mit welchen Mitteln der Streit geführt werden muß. And da mag es im ersten Moment gewiß wie die Entweihung eines erhabenen Gedankens aussehen, wenn er sich in Tausende von Kleinigkeiten auflöst, wenn in Einzelfällen, die an sich nicht selten unbedeutend, zuweilen sogar lächerlich erscheinen mögen, oft mit großem Aufwand an Kräften eingegrifsen wird. Minima non curat praetor, sagt das alte Rechtssprichwort, und einer so großen und überragenden Idee entspräche es durchaus, wenn sie nicht mit Hilfe von Mitteln, die oft unangebrachter Schikane und der Lust an der Denunziation entsprungen zu sein scheinen, sondern in großzügiger Weise, die nichts Kleinliches kennt, verfochten würde. Gegen den Borwurf der Schikane und der Denunziation braucht sich keiner zu verteidigen, der — wie wir -- einzig und allein aus verletztem Rechtsbewußtsein vorgeht. Aber auch materiell ist diese Kleinarbeit unumgänglich notwendig, nicht nur aus praktischen Tagesgründen, sondern gerade aus den idealsten Interessen. Daß wir ein wenig mit dem niedrigen Niveau des Gegners rechnen und uns gegen Nadelstiche oft durch Nadelstiche wehren müssen, ist gewiß nicht die Ursache, ebensowenig die Erfolge dieser Kleinarbeit, von denen spater die Rede sein soll. Man braucht nicht einmal darauf hinzuweisen, daß das Rechtsempfinden des Verletzten nicht von der Größe des Objekts abhängig sein darf. Wichtig ist nur, daß durch diese Kleinarbeit die große Masse zu positiver Tätigkeit in dem, Kampfe um die Gleichberechtigung, um eine Forderung des Judentums, angeregt wird. Der einzelne muß nicht nur Stellung nehmen, er muß auch mithelfeu, und so wird durch die Eentralverein Stätigkeit die große Masse nicht wie sonst Objekt der jüdischen Arbeit, son« dern Subjekt! Wenn beispielsweise ein Beamter, der einen Juden durch antisemitische Bemerkungen beleidigt hat, auf die Beschwerde des Gekrankten einen Rüffel bekommt, so mag das objektiv wenig bedeuten. Er wird seine Gesinnung kaum andern, wird sich höchstens, was allerdings schon ein Vorteil ist, in Zukunft anständig betragen. Subjektiv bedeutet aber der Erfolg viel mehr. Der Beleidigte ist als Jude angegriffen worden, hat sich gewehrt, und sein Eingreifen hat Erfolg gehabt. Er hat in sich das Judentum beleidigt gefühlt, die Genugtuung die er erhält,