Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Gegner des Gleichberechtigungskampfes
- Date
- 1913-10-01
- Page
- 457 (sequence 9)
- Language
- German
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Gegner des Gleichberechtigungsknmpfcs. 457 raten. Der Gleichberechtigungskampf ist ja im Grunde nichts wie der Kampf um das Recht der Persönlichkeit, deren alleiniger Wert gegenüber den Anschauungen betont werden muß, die den Einfluß der Rasse, der Religion und sonstiger Gemeinschaftswerte ungebührlich in den Vordergrund treten lassen. Unsere heutige Zeit steht ja unter dem Zeichen des R a s s e n a n t i s e m i t i s m u s. der bei jedem Juden trotz größter Fähigkeiten und tüchtigster Leistungen die aus seiner Rassenveranlagung entspringende Minderwertigkeit entdeckt und betont. Die energische Vertretung der Lehre, daß es weder auf Rasse, Religion noch Herkunft, sondern einzig und allein auf die persönliche Leistung ankomme, daß alle Menschen gleich und gleichberechtigt seien, ist unbestreitbar eine Betonung jüdischer Anschauungen, mit denen theoretisch und praktisch das Judentum im letzten Grunde in der Welt fast noch allein steht so daß man bei tieferem Rachdenken ihr charakteristisches jüdisches Gepräge zugeben muß. Natürlich ist der Gleichberechtigungsgedanke allein noch kein Judentum, ebensowenig wie etwa die Wohltätigkeit. Seinen positiven jüdischen Charakter kann aber nur bestreiten, wer als positives Judentum allein solche Dinge anerkennt und pflegt, die zur Aufrechterhaltung und Vertiefung der Absonderung, zur Verschärfung der Gegensätze zwischen uns und der andersgläubigen. Welt dienen. Nur auf dieser Grundlage ist darum auch eine wirksame Bekämpfung des Antisemitismus möglich. Es ist unbestreitbar, daß durch noch so viele Erfolge in Einzelfällen drr Antisemitismus nicht endgültig aus der Welt geschafft wird. So notwendig die Kleinarbeit ist das sei betont - so wenig sind wir uns darüber im Unklaren, daß man den Baum und seine Wurzeln nicht zugrunde richtet, rvenn man die Früchte zerstört! Der Gleichberechtstgungsgedanke ist aber eben der Ausfluß einer Lebensauffa.ssung, fast möchte man sagen einer Weltanschauung, die der geistigen Grundlage des Antisemitismus durchaus entgegengesetzt ist, und jedes Vordringen dieser Idee trägt dazu bei, den Boden zu erschüttern und der Nährkraft zu berauben, die den Giftoaum des Judenhasses so fruchtbar macht. Weitaus mehr aber bedeutet dieser grundlegende Gedanke des Centralvereins für den einzelnen Juden. Ein Kampf für das Recht der Persönlichkeit kommt naturgemäß jedem einzelnen Individuum zugute, und die besondere Färbung des jüdischen Gleichberechtigungskampfes stärkt in der Persönlichkeit vornehmlich das Ehrbewußtsein und den Charakter. So gibt dieses Streben jedem das Bewußtsein seiner Bedeutung, er weiß, daß er nicht mit der großen Masse um Güter kämpft, von denen er persönlich nichts hat, sondern daß er für sich selber