Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Gegner des Gleichberechtigungskampfes
- Date
- 1913-10-01
- Page
- 453 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316829-2316838-2347673--23925-2347729- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Gegner des Gleichberechtigungskampfes. 453 kommene Gleichberechtigung nicht erreicht. Nun sind wir der Zahl nach eine recht schwache Minorität. Unbilliges können wir vom Staate nicht verlangen, und auch bei peinlichster Gerechtigkeit wird die Rücksicht auf die religiösen Bräuche der Majorität ganz von selber Une größere sein. Daß aber nach dieser Richtung ohne jede Beeinträchtigung der Majorität noch sehr vieles für den Juden erreicht werden kann und muß, zeigen viele Beispiele außerdeutscher Länder. Mir sind nicht blind! Wir wissen nicht nur, daß man — um das oft zitierte Wort zu gebrauchen — auch glücklich sein kann, ohne Reserveoffizier zu sein, sondern auch, daß wir oft für Leute kämpfen, die es nicht wert sind, daß mancher, dem unsere Arbeit zum Erreichen seiner Ziele verholfen hat, sich nachträglich dem Kreise anpaßt, in den er gerade durch unsere Hilfe gelangt ist, und uns feige und undankbar verläßt. And wir sind uns durchaus darüber klar, daß wir vielleicht auf die ersten Früchte des Kampfes um die Ernennung zum Reserveoffizier nicht sonderlich stolz sein werden. So bedauerlich aber das im Einzelfalle sein mag, gegen den Wärt der Gleichbercchtigungsidee sagt es gar nichts, und irgendein Grund, deshalb unsere Stellung zu ändern, liegt keinesfalls vor! Denn man muß bedenken, daß sich diese betrüblichen Ergebnisse nur so lange zeigen, wie der Jude in seinem Wirkungskreise eine Einzelerscheinung ist, dem die Anlehnung an Glaubensgenossen fehlt. Nicht nur theoretisch, was gewiß unanfechtbar ist, sondern auch praktisch inacht die eine Schwalbei keinen Sommer, und gesunde Zustände werden immer erst dann eingekehrt sein, wenn das Erreichen irgendeiner Stellung den glücklichen Bewerber nicht mehr zu einem bestaunten und beneideten Ausnahmewesen und Wundertier macht. Zu Rießers Zeiten und noch später waren - von seiner und ganz vereinzelten anderen Ausnahmen abgesehen — die wenigen jüdischen Juristen der Masse der Juden innerlich und äußer-, lich ebenso entfremdet, wie wir es heute bei einem jüdischen Regierungspräsidenten vermuten würden (ob übrigens mit Recht, steht noch dahin, da selbstverständlich andere Einflüsse der Zeit und ihrer sonstigen allgemeinen. Anschauungen, auf die hier nicht eingegangen werden kann, mitspielen). Heute aber ist die Tatsache an sich, daß ein Jude Jurist, ein Anwalt oder Richter wird, wahrhaftig nicht geeignet, ihn zum Abfall zu veranlassen, weil das eben nichts Besonderes mehr bedeutet und er sehr viele jüdische Kollegen hat! Natürlich wird sich diese Aebergangserscheinung in einer festgefügten Beamtenkaste viel länger halten und darum viel mehr Abfall zeitigen als in den freien Berufsarten. Aber auch das ändert nichts an der Richtigkeit der Tatsachen. Ist der jüdische Reserveoffizier nnd der jüdische Regierungsrat erst zu einer häufigeren Er-