Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Bevölkerungsfragen und Innenkolonisation
- Date
- 1913-10-01
- Page
- 448 (sequence 6)
- Language
- German
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A4 8 deutschen Ne ich. sind, und sich trotz alledem, sei es aus lmrtschaftlichen, sei es aus persönlichen Gründen, nicht abhalten lassen, ihre Entschlüsse ohne Rücksicht daraus, ob sie der Erhaltung des Judentums förderlich sind, zu treffen. Demgegenüber ist aber andererseits darauf hinzuweisen, daß es auch heute-noch auf dem Lande sowohl wie insbesondere in den Städten geschlossene Schichten der Iudenheit gibt, die zwar nicht mehr ganz unbeeinflußt durch den Ilmgeslaltungsprozeß, der sich vollzogen hat und auch heute noch vollzieht, jedoch immer noch im wesentlichen im Geist der altjüdischen Reberlieferung ihr Leben führen und auch in Zukunft führen werden, daß ferner gerade in den letzten Jahrzehnten die positiven Strömungen im Judentum sich kraftvoller entfalten als in den früheren Zeiten. Das Wiedererwachcn des jüdischen Geistes, namentlich in religiöser Richtung, ist viel stärker, als man gemünhin anzunehmen geneigt ist. Der Lebenswille ist mächtiger geworden, so daß immer vorausgesetzt. daß nicht durch äußere Ereignisse eine völlige. Aenderung der gegenwärtigen Zustände ciniritt - wohl mit einem Bevölkerungsrückgang gerechnet werden muß, nicht aber mit einem völligen Zusammenbruch der deutschen Juden heit, in welcher reiche Lebenskräfte schlummern. In einigen Punkten können auch jetzt Maßnahmen getroffen werden, welche auf eine Besserung der Verhältnisse hin- 5ielcn. Dazu gehören eine Fürsorgetatigkeit für die unehelich Geborenen, welche leicht dem Judentum verloren gehen, besondere Heime für Mütter unehelicher Kinder während der Schwangerschaft, da gerade die Lebensfähigkeit dieser Kinder sehr ungünstig ist, überhaupt eine erheblich größere Fürsorge für Wöchnerinnen als es bis jetzt der Fall ist, da die Lebensfähigkeit der jüdischen Geborenen zu wünschen übrig läßt. Auch eine reichere Ausgestaltung des Brautausstattungswesens ist dringend notwendig. Als radikales Hilfsmittel gilt an erster Stelle die Innenk o l o n i f a t i o n, deren Wesen der Leitartikel in dieser Rümmer anschaulich zum Ausdruck bringt. Hier können beim Zusammenwirken aller maßgebenden Kräfte in Deutschland zweifellos Erfolge erzielt werden. Es herrscht gegenwärtig in Deutscl>- land in allen Kreisen, christlichen und jüdischen, eine starte Stimmung für I n n e n k o l o n i s a t i o n , denn auch die christlichen Bevölkerungsschichten spüren bereits ganz empfindlich die schlimmen Folgen der Abwanderung, und sinnen auf Mittel und Wege, um den Wanderstrom einzudämmen und eine rückläufige Bewegung zu veranlassen. Die kleinen jüdischen Gemeinden blicken sehnsüchtig nach Hilfe aus, und nichts könnte ihnen willkommener sein, als eine Stärkung ihrer Bevölkerungszahl durch Zuzug. Bezeichnend hierfür ist ein Schreiben, das vor einigen Monaten vo r einem angesehenen Mitglieds einer