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Im deutschen Reich · 1913-10-01 · Heft 10 (Oktober 1913) · p. 447

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 10 (Oktober 1913)
Article
Bevölkerungsfragen und Innenkolonisation
Date
1913-10-01
Page
447 (sequence 5)
Language
German
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Bevölkern ngssragen und Innenkolonisnrion. ^^7 statistik für Preußen für die Jahre 1880 und 1911 einander gegenüberstellen, begreifen. Ungemischte jüdische Ehen wurden im Jahre 1880 insgesamt 2390 geschlossen, im Jahre 1911 2381, eine Zunahme von 8 °/<>, während die jüdische Bevölkerung im gleichen Zeitraum um 14 °/o anwuchs. In den letzten Jahren tritt deutlich eine abnehmende Tendenz zutage. Dagegen ist die Zahl der Mischehen im gleichen Zeitraum von 226 auf 721 angewachsen, wobei zu bemerken ist, daß die Mischehen mit jüdischem Manne und christlicher Frau sich vervierfacht, jene mit christlichem Manne und jüdischer Frau verdreifacht haben. Bei den Ehen sind die Verschiebungen noch nicht allzusehr ins Auge fallend gewesen, krasser tritt der Unterschied bei der Gegenüberstellung der Geburtenziffer zutage; es ist nämlich die Zahl der ehelichen jüdischen Geburten (Lebend- und Totgeburten zusammen) von 10 739 auf 5916, also fast auf die Hälfte gesunken. Die unehelichen Geburten haben sich absolut nur ganz unerheblich gemehrt, von 328 auf 335, jedoch im Verhältnis zu den ehelichen Geburten ist ihre Zahl gegenwärtig beträchtlich höher als früher. Die Sterblichkeit ist trotz der Zunahme der Bevölkerung, die oben festgestellt wurde, günstiger geworden. Die Zahl der Sterbefalle hat von 6295 auf 5877 abgenommen. Aeußere Gründe aber bewirken es, daß jetzt ein Stillstaird in der Abnahme eintritt, ja vorübergehend mit einer Zunahme zu rechnen sein wird. Es sind nämlich innerhalb der jüdischen Bevölkerung jene Schichten, welche der Sterblichkeit einen größeren Tribut zollen, nämlich die höheren Altersklassen übermäßig besetzt, während infolge des geringen Geburtenzuwachses in den letzten Jahrzehnten die jugendlichen Altersklassen, welche bekanntlich weniger Todesopfer zählen, nur schwach vertreten sind. Endlich die Bilanz, die den Ueberschuß der Lebendgeburten; über die Sterbefälle darstellt, lautet für die beiden Jahre 4616 und 560, beträgt demnach heute nur mehr den achten Teil des Zuwachses von 1880*). Glaubt nun aber jemand allen Ernstes, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen jene Kreise und Schichten der jüdischen Bevölkerung, in welchen sich der Niedergangs zeigt, durch eine noch so eurdringlichr Sprache der Zahlen veranlaßt werden können, ihr Handeln unter dem Gesichtspunkte der Erhaltung des Judentums einzurichten, daß sie beispielsweise früher heiraten, ein anspruchsloseres Leben führen, mehr Kinder erzeugen, weniger Mischehen eingehend Ein jeder von uns besitzt nähere und entferntere Bekannte, welche über die gegenwärtige Lage der deutschen Iudenheit recht wohl unterrichtet *) Preußische Statistik. Bd. 61 n. 233.

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