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Im deutschen Reich · 1913-10-01 · Heft 10 (Oktober 1913) · p. 445

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 10 (Oktober 1913)
Article
Bevölkerungsfragen und Innenkolonisation
Date
1913-10-01
Page
445 (sequence 3)
Language
German
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Bevölkcrungsfragen und Iuncnlolonisation. 45 wirtschaftliche und bürgerliche Freiheit gewährt wurde, stieg ununterbrochen und in raschem Tempo ihre Bevölkerungszifser. Aber auch in dieser Zeit war keineswegs, wie irrtümlich angenommen wird, die Fruchtbarkeit der Juden größer als die der Christen. Es vermehrte sich zwar in dem Zeitraum von -1816—18;i0 die jüdische Bevölkerung stärker als die christliche, aber nur, weil ihre Sterblichkeit geringer war, nicht etwa ihre Fruchtbarkeit größer*). Ebenso war es in der Folgezeit bis Ende der siebziger Jahre. Zwei Umstände wirkten zusammen, um die jüdische Bevölkerung emporblühen zu lassen, rechtliche und wirtschaftliche Freiheit auf der einen Seite und jahrzehntelanges Verharren im Zustand der Ruhe in den kleinen Gemeinden in den einfachsten Lebensverhältnissen. Beides förderte in ungeahntem Maße das Wachstum der Bevölkerung. So kam es, daß trotz nicht unbeträchtlicher Verluste an Menschen, welche die preußische Iudenheit von 18*10 bis 1880 durch Abwanderung erlitt ca. Vl 000 Personen —„ ihre natürliche Zunahme immer gleich günstig blieb, die entstandenen Lücken bald wieder ausgefüllt wurden. Mit einemmal begann aus einer Reihe von Gründen, die hier nicht näher darzustellen sind, ein Umschwung in der bisherigen Lebensweise der deutschen Juden sich zu Vollziehern Die Massen, welche viele Menschenalter in den östlichen Provinzen große jüdiscl-e Zentren geschaffen hatten, wurden aus ihrer Ruhe förmlich aufgerissen, und ein breiter Strom jüdischer Auswanderer entzog Jahr für Jahr, volle 15 Jahre hindurch, dem jüdischen Organismus kostbare Kräfte. In derselben Zeit setzten sich aber auch die Znrückbleibenden in Bewegung. Jugend und Alter in den ostmärkischen Provinzen wurde von eiüem Wandertrieb erfaßt, gab die alten Statten auf und strömte teils auf dem Ilmweg über die Mittelstädte, teils direkt in die Großstädte hinein. Damit aber war ein Moment der sozialen Unruhe in die Bevölkerung hineingetragen worden, deren Wirkung anfangs nur schwach, dann aber immer starker in den unerfreulichen Bildern, welche uns die Statistik aufrollt, sich widerspiegelt. Dreifach äußerten sich die Folgen der Wanderung. Das Land verlor nicht nur augenblicklich absolut an Menschen, sondern war auch späterhin durch die Abwanderung zahlreicher, für die Fortpflanzung in Frage kommender Personen nicht mehr in der Lage, seine Verluste zu ersetzen, und jene Provinzen, die früher der Jungbrunnen der jüdischen Bevölkerung gewesen waren, eine schier unerschöpfliche Quelle von neuen *) Dr. Jacob Segall, Berlin, „Die Entwicklung der Juden in Vreutzen während der letzten 100 Jahre*, Rr. 6, 8. Jahrgang der »»Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden?

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