Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Wirtschaftlicher Zweckverband für die Juden der Ostmark
- Date
- 1913-10-01
- Page
- 442 (sequence 10)
- Language
- German
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442 Im beut scheu Reich. zrlgestalten, um zielbewußt diese Aufgabe des Mlrtschaflsver- Landes zu fördern. Wir haben gerade hier in der Ostmark jüdische Gutsbesitzer und. jüdische Handwerker, die sich nicht weigern werden, jüdische Lehrlinge auszubilden. Auch hierbei können wir der Hilfe der Vertrauensmänner nicht entbehren, die uns Auskunft über solche Lehrstellen geben. Sind diese jungen Leute fertig, dann sollen d'.e Vertrauensmänner berichten, wo sich die jungen Landwirte ankaufen, die jungen Meister niederlassen können, wo sich für jüdische Mädchen eine Anstellung findet, oder die Möglichkeit vorhanden ist, im kaufmännischen Beruf, als Angestellte, oder im Bureaudienst, als selbständige Schneiderin, Putzmacherin, Kindergärtnerin, Lehrerin u. dgl. m. lohnenden Erwerb zu fiubcu oder wo für akademische Berufe.noch Raum vorhanden ist. Das sind Aufgaben der Stellenvermittlung und des Beirates für die Berufswahl für die jüdische Jugend, weiterer Einrichtungen des Wirtschaftsverbandes. Gerade jetzt, wo die Staatsbehörden ihre besondere Fürsorge dem Handwerk und Ackerbau zuwenden, wo besonders in der Ostmark die Ansiedlung deutscher Handwerker und Landwirte von der Ansiedlnngslommission und dem Ostmarkenverein gefördert wird, ist sogar auf eine Unterstützung unserer Bestrebungen durch die Staatsbehörden zu hoffen, wenn sie in kluger, aber eindringlicher Beeise von den leitenden Männern der betreffenden Behörden erbeten wird. Für die jüdischen Handwerker und Landwirte ist eine Ein- und TZerkaufsgenossenschaft notwendig, welche ihnen einerseits den Wettbewerb erleichtert, andererseits aber auch Absatzmöglichkeiten bietet. Die Einrichtung solcher bereits vorhandenen Genossenschaften kann mit den notwendigen Abänderungen für unsere Genossenschaft angewendet werden. Als Ergänzung für diese Ausgabe des Wirtschaftsverbandes empfehlen wir periodische Ausstellungen jüdischen Gewerbefleißes, welche für alle Bewohner der Ostmark zugänglich sein sollen. Wieviele Vorurteile würde eine solche Ausstellung beseitigen, welche reiche Förderung würde sie auch bei Behörden durch Zuwendung von Aufträgen, besonders auch bei Submissionen finden! — Ebenso sollen den jüdischen Fabrikanten durch die Auskunftsstelle Orte nachgewiesen werden, wo sie billiges Fabrikterrain erwerben, billige Räume mieten und billige Arbeitskräfte — neben günstiger Eisenbahnverbindung — einstellen können. Endlich soll die jüdische und die politische Presse fleißig benutzt werden, um die Wohlfahrtseinrichtungen des Wirtschaftsverbandes zu empfehlen und allseitige Unterstützung zu erlangen. Alle diese Forderungen und Aufgaben des wirtschaftlichen Zweckverbandes für die Juden der Ostmark sind in einer Anzahl von Leitsätzen formuliert worden, die in einer unverbind-