Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Wirtschaftlicher Zweckverband für die Juden der Ostmark
- Date
- 1913-10-01
- Page
- 441 (sequence 9)
- Language
- German
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WirtsäiusUicher Zweckoerband für die Juden der Ostmark. 441 namentlich wäre eine solche Kapitalsanlage ganz besonders zu empfehlen. Denn einmal wird dadurch die Abwanderung der wirtschaftlich Schwachen, die bald den Großgemeinden zur Last fallen, aufgehalten, dann aber entspricht eine solche Wohlfahrtspolitik den Anforderungen einer modernen Sozialreform, welche den Notleidenden nicht mit ein- oder mehrmaligen Almosen unterstützen, sondern ihm eine bescheidene dauernde Existenz verschaffen will. Das Darlehn soll selbstverständlich nur zu einem mäßigen Zinsfuß gegeben werden und in kleineren Baten zurückzuzahlen sein. Die Darlehnssucher sollen ferner verpflichtet sein, um die Mitte! der Darlehnslasse zu vermehren, Sparbetrage in bestimmter höhe und in bestimmten Terminen einzuzahlen, wobei sich der Betrag der Spargelder nach dem Betrage des empfangenen Darlehns richtet, so daß Jim größeren Darlehnsbeträgen größere Spargelder einzuzahlen, bei kleineren Summen geringere Spareinlagen zu machen sind. Es ist selbstverständlich. oaß es nicht die Aufgabe der Darlehnskasse ist, jeden notleidenden Gewerbetreibenden zu sanieren. Wo der wirtschaftliche Verfall so groß ist, daß auch kein Darlehn ihn aufhalten kann, oder wo der Gewerbetreibende durch eigene Schuld, wie Unfähigkeit, Leichtsinn, großen Aufwand u. dgl. m., zurückgekommen ist, da kann und soll die Darlehnskasse nicht helfen. Das festzustellen ist die Aufgabe von Vertrauensmännern, die überhaupt für den wirtschaftlichen Zweckverband unentbehrlich sind und worüber noch zu reden sein wird. Daß aber oft durch rechtzeitiges Eingreifen so mancher Gewerbetreibende vom wirtschaftlichen Zusammenbruch gerettet und somit seiner Gemeinde und dem ostmärkischen Judentum! erhalten werden kann, das wird jeder, der die Verhältnisse kennt, und sie objektiv beurteilt,' zugeben. Denn wie bereits oben bemerkt: die nationalen und religiösen Kampfe hier im Osten erschweren freilich unseren Glaubensgenossen ihre Existenz; noch aber machensie sie ihnen nich tunmöglich. Ist ein jüdisches Geschäft wegen der übergroßen Konkurrenz nicht mehr entwicklungsfähig, dann soll der wirtschaftliche Zweckverband die Heranwachsende Jugend zum Handwerk und Ackerbau führen und ähr neue Erwerbsmöglichkeiten schaffen. Diese Berufe sind seit fast 100 Jahren von den Besten unserer Glaubensgemeinschaft dringend empfohlen worden, es sind in neuerer Zeit auch Bildungsstätten für diese Berufe errichtet worden, es bestehen endlich — wie das Handbuch des DIGB. von 1913 ergibt — gerade in der Provinz Posen seit längerer Zeit nicht weniger als acht Vereine für diese Zwecke, welche auch andere Berufe — wie akademische und weibliche — zu fördern suchen. Es gilt also nur diese Veranstaltungen zu zentralisieren, den modernen Anforderungen entsprechend um-