Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1913-10-01 · Heft 10 (Oktober 1913) · p. 440

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 10 (Oktober 1913)
Article
Wirtschaftlicher Zweckverband für die Juden der Ostmark
Date
1913-10-01
Page
440 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316829-2316838-2347671--23908-2347716
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

440 Im deutschen Reich. der Donau und Weichsel genannt hat. Daß seine Tätigkeit dringend notwendig ist, und daß er bisher außerordentlich segensreich gewirkt hat, darüber herrscht wohl nur eine Meinung. Ist aber die wirtschaftliche Stärkung unserer ostmärkischen Juden nicht ebenso notwendig? Ist sie nicht auch des Schweißes der Edlen wert? Und dabei liegt uns doch die Ostmark um so viel naher? Es ist also wohl zu hoffen, daß der Hilfsverein aus seinen reichen Mitteln für den geplanten wirtschaftlichen Zweckverband eine Unterstützung gewahren wird. Seinein Namen „Hilfsverein der deutschen Juden" würde das jedenfalls nicht widersprechen, und etwaige notwendige Sahnngsabänderungen würden von den Mitgliedern sicher angenommen werden. Der wirtschaftliche Zweckverband soll einerseits die wirtschaftliche Lage der jüdischen Gelverbetreibenden verbefferu, andererseits aber auch neue Enverbsmöglichkeiten für die Juden der Ostmark durch Ueberführung in andere Gewerbe - - denn die meisten Juden betreiben das kaufmännische oder Handelsgewcrbe — besonders in das Handwerk und den Ackerbau — vermehren. Es ist nicht zu leugnen, daß unsere jüdischen Gewerbetreibenden gerade infolge der religiösen und nationalen Kampfe in der Ostmark zum Teil, aber nicht durchweg, ihren alten Kundenkreis verloren haben, andererseits aber auch durch die christliche» oft nur polnische Konkurrenz in ihrem wirtschaftlichen Wohlstände zurückgegangen sind. Ihre Zahlungen stocken, ihre Schuldenlast wachst, ihr Verdienst ist viel geringer geworden, weil der Wettbewerb intensiver, wenn auch nicht immer reeller geworden ist. Sie sind also gezwungen ihr Geschäft in bescheidenerem Amfange zu führen, und wenn sie auch, trotz dieser Einschränkung, ihren bestehenden Verpflichtungen nicht Nachkommen können, zu fallieren und abzuwandern. Auf den Einwand, sich rechtzeitig Deckung zu verschaffen, indem sie den baren Kredit oder doch die Bürgschaft von Kreditinstituten, Geschäftsfreunden und guten Bekannten in Anspruch nehmen, ist zu erwidern, daß die .Kreditinstitute ihnen gerade wegen des geschäftlichen Rückganges einen Kredit in der bisherigen Höhe nicht mehr gewähren können, und daß ihre Geschäftsfreunde und guten Bekannten zürn Teil selber unter den gegenwärtigen Verhältnissen wirtschaftlich bedrängt sind, hier sollen Darlehnskassen, wie sie der Hilfsverein für Galizien, Polen, Rußland und die Orientländer begründet hat, helfend Antreten. Die Mittel zur Begründung solcher Kassen können durch Beiträge der großen jüdischen Verbände, durch ihre Provinzialverbände, durch die Gerneinden und endlich durch wohlhabende Glaubensgenossen, besonders in den Großstädten und den Provinzialhauptstadten aufgebracht werden. Für die Großstädte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.