Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Wirtschaftlicher Zweckverband für die Juden der Ostmark
- Date
- 1913-10-01
- Page
- 439 (sequence 7)
- Language
- German
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Wirtschaftlicher Zweckverband für die Juden der Ostmark. 439 Stadtverordneter, darunter auch einige L^adtverordnetenvorsicher, Handelskammermitglieder und Handelsrichter, sowie Vorstandsmitglieder großer Berufs- und Standesvereine. Wenn aber trotz aller großen Opfer an Gesundheit, Zeit, Arbeitskraft, oft auch o/oßer materieller Opfer, die Juden über wirtschaftlichen Rückgang klagen und verdrossen ihren Wanderstab ergreifen und nach Westen abwandern, wer will ihnen das verargen? Sollen wir aber mit untergeschlagenen Armen ruhig zusehen, wie durch die Abwanderung so hervorragender (Glaubensgenossen, die soziale Stellung der Zurückgebliebenen — braver, aber doch still und bescheiden dahin lebender Juden immer mehr sinkt, wie die Staats- und städtischen Behörden im Hinblick auf diese bedeutungslose Stellung der Juden mit Recht glauben, bei ihren Wahlen, Berwaltungs- und gesetzlichen Maßnahmen in ihrem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben brauchten sie nicht mehr auf uns Rücksicht zu nehmen? Ist es da ein Wunder, wenn die unteren und mittleren Behörden, die ohnedies nicht viel für uns übrig haben, glauben, selbst die wohlmeinenden Kaiserworte, die Anweisungen der höchsten Staats- und der Provinzialbehörden, die oft genug alle Bekenntnisse und alle Rationalitäten zur gemeinsamen Arbeit für das Wohl der Provinz aufgerufen haben, seien für sie unverbindlich, und wenn sie danach handeln? Darum ist es gerade jetzt, wo die Juden der Ostmark noch ein notwendiger Faktor sind, mit welchem die Staats- und Provinzialbehörden bei ihren politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen zu rechnen haben, die günstigste, vielleicht aber auch die letzte Gelegenheit, die wirtschaftliche Lage der ostmärkischen Juden zu starken, wie es der geplante wirtschaftliche Zweckverband will. IV. Daß zu diesem Zwecke sich alle Pose ner Landesverbände der großen jüdischen Verbände ohne Unterschied der religiösen und politischen Richtung vereinigen können und müssen, bedarf wohl keiner besonderen Begründung. Denn indem sie die wirtschaftliche Lage unserer Glaubensgenossen starken, stärken sie zugleich ihre Steuerkraft, und damit ist auch der Bestand und die Ausbreitung der großen Verbände verbürgt, die noch lange nicht ihre Ziele erreicht haben und dazu reiche Mittel brauchen. Ich möchte für den wirtschaftlichen Zweckverband gerade die Mitarbeit des „Hilfsvereins der deutschen Juden" nicht entbehren. Denn er empfängt tatsächlich von allen Verbänden, die in der Provinz vertreten sind, die reichsten Mittel. Auch er verfolgt wirtschaftliche Ziele für die Juden des Orients und „tzalbasiens" wie Karl Emil Franzos jene interessanten Völkersc^rften jenseits