Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Wirtschaftlicher Zweckverband für die Juden der Ostmark
- Date
- 1913-10-01
- Page
- 436 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316829-2316838-2347671--23904-2347712- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
436 Im deutschen Reich. her erfreulichen Folgen dieser Anregungen sind zu Eingnng dieses Artikels mitgeteilt worden: Der Lentralverein vor allem, dann aber auch der Verband der deutschen Juden und der DIGB. haben ihr lebhaftes Interesse für den Plan ausgesprochen, und in einer größeren Versammlung sollen demnächst die vorgeschlagenen Maßnahmen beraten werden. Nach dieser historischeu Darstellung wenden wir uns zur Begründung und Erläuterung des Planes. II. Darüber herrscht wohl nirgends ein Zweifel, daß die Ab- Wanderung vom Lande, von der Kleinstadt und Mittelstadt nach den Großstädten schon seit vielen Jahren einen beängstigenden Umfang angenommen hat. Die Ursachen dieser Abwanderung so vieler Tausender aller Bekenntnisse und aller Berufsaricn sind nach sorgfältigen Untersuchungen unserer Nationalökonomen und Volkswirte auch des öfteren klar gelegt und allgemein beiannt. Ist aber die allgemeine Abwanderung, „der Zug nach dem Westen", für jeden Sozialpolitiker betrübend, und spornt diese Erscheinung seinen ganzen Scharfsinn, sein ganzes Können, und Wissen an, nach Gegenmitteln zu suchen, so ist die Abwanderung unserer Glaubensgenossen, besonders aus der Ostmark, prozentualiter noch viel größer, weil dafür eben noch andere Gründe vorliegen, weil für diese Abgewanderten kein Ersatz und kein Nachschub vorhanden ist. Darum sind die Folgen der jüdischen Abwanderung eben nicht mehr lokaler Natur, sondern sie sind für dos ganze Judentum besorgniserregend, sie sind aber auch geeignet, nicht nur die Zahl herabzumindern, sondern sie drücken auch die soziale Stellung der Zurückgebliebenen herab, sie schalten die Juden als Faktor für das wirtschaftliche und politische Leben in diesen gefährdeten Bezirken nach und nach völlig aus. Während durch den unaufhörlichen Zuzug die Großstädte zu ungesunden Zentren des Judentums werden, worin sich seine Bekenner „in drangvoller, fürchterlicher Enge" sammeln, ist das flache Land und die Provinz von ihnen fast entblößt, ihre jüdischen Bewohner kämpfen auf einem verlorenen Posten um ihre Existenz, um ihre soziale Stellung, ja auch um die Erhaltung ihrer religiösen Güter, weil ihre Zahl zu gering ist, -nn die Gemeindeinstitutionen, zu denen auch — abgesehen davon, -wie man über ihre Berechtigung denkt — die jüdische Volksschule gehört, zu erhalten. — Sucht man aber nach Mitteln, um diese so außerordentlich bedenklichen Zustände zu bekämpfen, dann muß man auch ihre Gründe genau erkennen. Wenn es auch nicht möglich sein wird, alle Ursachen der Abwanderung zu beseitigen, so ist das doch von einigen zu erhoffen. Das waren die Erwägungen, die zu dem Vorschläge eines wirtschaftlichen Zweckverbandes