Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Wirtschaftlicher Zweckverband für die Juden der Ostmark
- Date
- 1913-10-01
- Page
- 435 (sequence 3)
- Language
- German
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Wirtschaftlicher Zweckverband für die Juden der Ostmark. 435 vollständigen, will ich hier noch folgendes feststellen. In Nr. 41 und 42 der „Allg. Ztg. d. Judentums" vom Jahre 1912 bin ich gelegentlich der Besprechung eines antisemitischen Buches wieder auf diese Vorschläge zurückgekommen. Ich sagte dort: „Während die großen Verbände hauptsächlich Angriffe auf das religiöse Bekenntnis abwehren, Lut den ostmärkischen Juden ein starker Schutz auf wirtschaftlichem Gebiete dringend not; denn hier sind sie in er st er R^ihe Realpolitiker und dann erst Juden. Daß diese beiden Begriffe von dem ostmärkischen Judentum selbst und von den großen jüdischen Verbänden nicht immer auseinander gehalten worden sind, das ist eine der hauptursachen des Rückganges der jüdischen Bevölkerung in der Ostmark, und zwar sowohl an wirtschaftlicher Bedeutung wie an Seelenzahl.... Denselben verhängnisvollen Irrtum begehen unsere großen, aber auch unsere provinzialen, jüdischen Verbände, wenn sie vor allem bemüht sind, das ostmärkische Judentum zu erhalten und nicht die Juden in der Ostmark in ihren schweren wirtschaftlichen Kämpfen, wenn auch nicht immer materiell, so doch moralisch durch ihr 'Ansehen bei den Behörden, durch ihre Stellung als Vertretung der gesamten Staatsbürger jüdischen Glaubens zu unterstützen. Es ist selbstverständlich, daß der wichtigste Schutz, der Selbstschutz, die Selbsthilfe, jeder anderen Hilfsaktion vorangehen muß, und daß zu diesem Zwecke eine straffe Zentralisierung aller jüdischen Kräfte und Intelligenzen in der Ostmark dringend notwendig ist. Gerade jetz^.... ist es die höchste Zeit und vielleicht die letzte Gelegenheit, in gemeinsamer Arbeit aller hier (in der Ostmark) bestehenden jüdischen Verbände, eine großzügige Hilfsaktion zur Erhaltung des ostmärkischen Judentums einzuleiten. Diese Hilfsaktion muß sowohl wirtschaftlicher Natur sein, als auch Bildungszwecke verfolgen. Sie muß den kleinen Gewerbetreibenden Darlehen geben, Absatzgelegenheit vermitteln, neue gewerbliche Berufe eröffnen, sie muß die Niederlassung von jüdischen Aerzten, Zahnärzten, Tierärzten, Ingenieuren oder Mechanikern, Rechtsanwälten und Apothekern veranlassen und sie in der ersten Zeit unterstützen, sie muß größere Fabrikanten auf die billigen Arbeitslöhne im Osten Hinweisen und sie zur Errichtung von Fabriken veranlassen. Der Artikel schloß mit fast denselben Worten, wie der oben angeführte von 1902: „Das tut unserm ostmärkischen Judentum not, wenn es erhalten bleiben und seine Bedeutung für das Gesamtjudentum nicht verlieren soll. Wir wünschen dringend, daß diese Anregungen nicht das Schicksal so vieler fruchtbarer Anregungen, die in diesen Blattern erörtert worden sind, finden mögen, die einmal gelesen und dann — vergessen werden. Eine direkte Anregung an die in Frage kommenden Verbände soll demnächst erfolgen." Die bis-