Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Wirtschaftlicher Zweckverband für die Juden der Ostmark
- Date
- 1913-10-01
- Page
- 434 (sequence 2)
- Language
- German
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434 Im deutschen Reich. Goslar im „Jüdischen Gemeinde-Iahrbuche". Ls sind folgende: 1. Während ich die Mitarbeit aller großen, jüdischen Verbände für meinen Plan erbitte und erbeten habe, weist Herr Goslar die Ausführung des Planes vorwiegend dem neuen „Reichsverein deutscher Juden" mit folgenden Worten zu: „Die Errichtung dieser Institution (Jüdische Wirtschaftszentrale) -- vielleicht gemeinsam mit einigen großen neutralen jüdischen Verbänden —. wäre eine der vornehmsten und zugleich dankbarsten Aufgaben des neuen Reichsvereins deutscher Juden." 2. Während ich zunächst für die Ostmark, als den gefahrdetsten Punkt, einen „Wirtschaftlichen Zweckverband" plane, will Herr Goslar eine „Jüdische Wirtschaftszentrale" für die gesamte jüdische Bevölkerung des deutschen Reiches. Lr will also zentralisieren, wahrend ich dezentralisieren will. Er will also die etwa eingehenden Gelder und die bereits vorhandenen Institutionen gewissermaßen als ein Staubecken sammeln, aus welchem in die einzelnen, bedrohten Gegenden dürftige Wasserlein abfließcn, wahrend ich an einem einzigen praktischen „Schulfall" die Möglichkeit der Besserung erweisen und dann später von hier aus — falls der Versuch gelingen sollte mit den erprobten Mitteln auch den anderen bedrohten Gegenden zu Hilfe kommen möcht:. Von der bekannten „Gleichzeitigkeit der Ereignisse" könnte man nicht gut bei meinen Vorschlägen und denen des Herrn Goslar sprechen, höchstens davon, daß ich seine Vorschläge ,.vorgeahnt" habe. Denn bereits im Jahre 1902 habe ich in Nr. 22 des „Israelitischen Familienblatts" in einem Artikel „Die Landflucht in den kleinen jüdischen Gemeinden" unter anderen folgende Mittel zur Bekämpfung der Landflucht vorgeschlagen: „Die Seßhaftmachung kleiner jüdischer Handwerker und Gewerbetreibenden in den Kleinstädten durch Darlehen, Aufträge bzw. Arbeiten, Ein- und Verkaufsgenossenschaften, wie sie die landwirtschaftlichen Vereine systematisch versuchten, innere Kolonisation der Juden, möglichste Beschränkung von Unterslüßungen der Wohltätigkeitsvereine großer Städte auf die eingeborenen Großstädter oder doch auf die seit langen Jahren dort Ansässigen, Flugschriften und Warnungen vor dem Zuzug d'r mittellosen oder nur minderbemittelten Glaubensgenossen aus den Kleinstädten nach der Großstadt." Ich hatte an diese Vorschläge folgende Bemerkung geschlossen: „Das alles sollen natürlich nur Anregungen sein, welche einer gründlichen und werteren Ausgestaltung bedürfen, geschehen muß aberetwas, und zwar sobald als möglich, um der Entvölkerung unserer kleinen jüdischen Gemeinden und dem Zuzug in die Großstädte Einhalt zu tun." Warum erst jetzt nach elf Jahren meine dringende Mahnung Gehör gefunden hat, das hoffe ich an einem anderen Orte erörtern zu können. Um die historische Darstellung des Planes zu vor-