Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1913-09-01
- Page
- 422 (sequence 8)
- Language
- German
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422 Im deutschen Reich. Es liegen hier eben die Verhältnisse ähnlich' wie in mehreren Rordseeb ädern, wo die Badedirektion den Antisemitismus in Abrede stellt und dem Drängen der Badegäste nachgibt. Deshalb haben wir unfern Standpunkt auch der Badedirektion in folgender Weise kundgegeben: „Wir bestätigen ergebenst den Empfang Ihres geschätzten Schreibens vom 28. vor. Mts., aus dem wir mit Genugtuung festgestellL haben, daß. jedenfalls die Badedirektion selbst dem Antisemitismus fernsteht. Freilich bedauern wir, daß die Vadedirektion demungeachtet etlichen antisemitischen Badegästen Konzessionen macht und' jüdische Aerzte von der Bewerbung ohne Ausnahme ausschließt, aüch wenn diese sich als noch so tüchtig erwiesen haben sollten. Wir werden unter diesen Umstanden nicht umhin können, unfern Mitgliedern von diesem Amstande Kenntnis zu geben, weil zn befürchten ist, daß bei derartiger Begünstigung des äntisemitischen Teils der Badegäste unseren Glaubensgenossen Belästigungen nicht erspart bleiben." — In Ar. 8 unserer Zeitschrift 'wiesen wir auf 'ein Inserat des Organs „Der neue W-eg" hin, in dem ein christlicher Schauspieler für die „deutschen Heimatspiele" in Potsdam gesucht wurde. Wir wollen gern auf Grund einer uns zugegangenen Zuschrift hervorheben, daß der Direktor des Theaters durchaus kein Antisemit ist. Wenn die Fassung des Inserates damit gerechtfertigt wird, daß die in Betracht kommende Rolle eine spezifisch christliche ist,' so meinen wir freilich, daß viele christliche Figuren oft Und in würdigster Weise bereits von jüdischen Schauspielern dargestellt wurden, ebenso wie jüdische Rollen, Rathan u. a. durch christliche Schauspieler vortrefflich gegeben werden. — Wir machen hierdurch unsere Ortsgruppen auf den anscheinend jüdischen Komiker Lrny Fredy aufmerksam, der vor einiger Zeit an Essen im Cafo Haase austrat. Seine Vorträge bestanden aus einer Reihe jüdischer Witze, die von entsprechenden Grimassen begleitet, in einer verächtlich machenden Tonart derartig vorgetragen wurden, daß die anwesenden jüdischen Gäste sich lief verletzt fühlen mußten. Bon seiten unserer Ortsgruppen müßte gegebenenfalls gegen diese Vorträge Verwährung eingelegt' werden. — Der bekannte Antisemit Laa ß , Besitzer des „Cölner Hofes", Frankfurt a. W., verbreitet seit einiger Zeit für die Jugend bestimmte Rek'lamemarken, die höchst geschmacklose Karikaturen jüdischer Typen darstellen. Auch ein Rabbiner mit dem Talmud in der Hand ist abgebildet. Was würde wohl'die antisemitische Presse für Lärm schlagen, wenn ein Jude sich Herausnahme, Karikaturen von einem Pfarrer mit dem Reuen Testament in der Händ zu verbreiten, die bestimmt sind, in die Hände der Kinder zu kommen. — Wie uns aus Paderborn gemeldet wurde, ist der dortige Kreistierarzt F o t t i n g wegen fortgesetzter Beleidigung unseres Mitgliedes, des Herrn Tierarztes Blumenfeld zu 100 M. Geldstrafe verurteilt worden. Fötting hat wiederholt von ör. Blumenfeld mit dem Ausdruck' „der Jude" gesprochen und außerdem zu einem andern Tierarzt geäußert, er möge „den Juden" nicht leiden. Charakteristisch ist es, daß Fötting auf die Frage des Vorsitzenden, wie er dazu komme, den Di*. Blumenfeld stets nur als „den Juden" zu bezeichnen, erwiderte, er habe den Ausdruck nicht als Beleidigung angesehen; etwas anderes wäre es, wenn er von dem Privatkläger als „dem stinkigen Juden" gesprochen hätte. Selbstverständlich wurde diese Art der Verteidigung von dem Vorsitzenden gerügt.