Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1913-09-01
- Page
- 423 (sequence 9)
- Language
- German
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Briefkasten. 423 — Für eine in S L. Moritz im Engadin, das ja auch von zahlreichen Juden besucht wird, neu zu errichtende Apotheke sucht der Apotheker P. Lngi in Davos-Platz einen jüngeren ch r i st l i cf> c n Herrn. — Die Firmen Bahr & Clemens in Landsberg an der Warthe, sowie Kracke L Scherschmidt in Magdeburg suchen Verkäufer „christlicher" Konfession. — Me Firma Knagge L Peitz, M ü n ch e n, Färb er graben 2, 3, 3a, Großetablissement für Herren-, Knaben- und Kindergarderobe, sucht „tüchtige Verkäufer unter Angabe der Konfession." Bei „tüchtigen" Käufer n soll sie nach unserer Information freilich eine Angabe der Konfession nicht verlangen. — In den „Dresdner Neuesten Nachrichten" erschien ein Inserat, in dem Herr Hermann L o o ßI Dresden, Liliengasse 13 I, mit den eingeklammerten Zusätzen „nicht m o s a i s ch", „K ein Laden" ankündigt, daß er die Befriedigung der Bedürfnisse an Wäsche, Stoffen, Gardinen und Garderobe auch solchen ermöglicht, die nicht per Kasse einkaufen können. Der menschenfreundliche nichtjüdische Inhaber des 'wenig bekannten Abzahlungsgeschäftes betrachtet es -offenbar als eine geschäftliche Empfehlung, nicht mosaisch zu sein. — Die Firma Gertz & Vogel in Duisburg hatte in einem Inserat von dem gesuchten neuen Angestellten ausdrücklich „christliche Konfession" verlangt. Auf Wunsch verschiedener Mitglieder wandten wir uns daher an die Firma mit der Anfrage, ob die Anstellung ausschließlich von christlichem Personal ihren Geschäftsgrundsätzen entspreche. In dem Antwortschreiben teilt uns die Firma Gertz & Vogel nunmehr folgendes mit: „Wir erwidern Ihnen, daß wir absolut nicht antisemitisch gesinnt sind, vielmehr verkehrt der Chef der Firma mit einigen Herren jüdischen Glaubens fast freundschaftlich. Trotzdem aber entspricht die Anstellung christlichen Personals den Geschäftsgrundsätzen." Briefkasten. Viele Leser. Selbstverständlich haben auch wir den Bericht des „Berliner Tageblatts" über das Leipziger Turnfest tief bedauert. Daß die gesamte antisemitische Presse diesen Vorfall zum willkommenen Anlaß genommen hat, um nunmehr erneut wochenlang gegen die „jüdische Presse" und „die Juden" zu schimpfen und zu hetzen, hat uns dagegen weniger verwundert. Immerhin hoffen wir, daß dieses verhetzende Treiben der Antisemiten die große Menge der Einsichtigen in der „Deutschen Turnerschaft" nicht dazu verleiten wird, für die Unüberlegtheit und Geschmacklosigkeit eines einzelnen jungen Literaten die Gesamtheit der treu zur „Deutschen Turnerschaft" stehenden j ü d i s ch e n Mitglieder verantwortlich zu machen. Ebenso wie diese auch fürderhin freudig und uneigennützig an den turnerischen Arbeiten und Leistungen im Bereiche der „Deutschen Turnerschaft" mitzuwirken gewillt sind, werden hoffentlich auch weiter die Worte Geltung haben, die der greise Führer der Turnerschaft, G e h e i m r a t 'D r. Goetz, im Jahre 1889 zur Abwehr antisemitischer Bestrebungen innerhalb der Turnerschaft geschrieben hat:.„Echte Turner sollen wir w erden, und das kann ein jeder M a n n, ob er Christ ist oder Heide, Jude oder Muselmann."