Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1913-09-01
- Page
- 421 (sequence 7)
- Language
- German
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Vereinsnachricht e u 421 Engel schließt mit den Worten: „Es ist mir nun^hente begreiflicherweise nicht mehr möglich anzugeoen, welcher (^eyrstr ia) den angeführten Brief entnommen habe und erst recht nicht den Namen, des betreffenden Verlegers. Ich bedauere daher, Ihrem Wunsche nicht entsprechen zu können." ^luf ähnliche Weife weichen Leute, die Juden grundlos angreifen, gewöhnlich aus, wenn man voll ihnen verlangt, ihre Anklage zu begründen. Es finden sich dann auch leider immer Organe, wie die mit dem ,,Blauen Kreuze" in Verbindung stehenden Verleger des „Notschrei des Volkes", die solche unbegründeten antisemitischen Behauptungen weiter verbreitern — Die B a d e direktio n B e r g - D i e v e n o w suchte vor einigen Monaten in einem Inserat in der „Berliner Klinischen Wochenschrift" einen alteren, erfahrenen Arzt christkicher Konfession. Dies veranlaßte uns an die Badedirektion folgendes schreiben zu richten: „In ärztlichen Kreisen hier ist es ausgefallen, daß die Badedirektion von Berg-Dievenow in der „Berliner Klinischen Wochenschrift" Nr. 15 einen christlichen Badearzt sucht. Wenn auch die Badegäste von Berg-Dieoenow sich zum überwiegenden Teile aus christlichen Kreisen rekrutieren, so kann dies doch kein Grund sein, für die Behandlung der Badegäste nur ärztliche Bewerber christlichen Glaubens zu berücksichtigen. Auf die Oualifikatiou, auf das ärztliche Können und den Charakter kommt es an, nicht auf den Glauben. Es praktizieren ja auch in Gegenden mit überwiegend katholischer .Bevölkerung unbeanstandet protestantische Aerzte, in jüdischen Krankenhäusern Christen, in allgemeinen Krankenhäusern jüdische Aerzte usw. Aus obigem Inserat scheint daher hervorzugehen, daß die Badedirektion von Berg-Dievenow dem Bade einen antisemitischen Charakter geben will. Das kann natürlich nicht gleichgültig sein für diejenigen Aerzte, die bisher Patienten dorthin dirigiert oder selbst Berg-Dieoenow als Badegäste besucht haben. Eine Klärung erscheint im beiderseitigen Interesse erwünscht. Wir bitten daher um einen baldgefl. Bescheid der geehrten Badedirektion, welche Stellung sie in dieser Beziehung einnimmt, da unser ca. IW 000 Juden umfassender Verein in der Zeitschrift eine Liste der antisemitischen Badeorte veröffentlicht, die den Badedirektionen unerwünschte Gäste fernhält und den jüdischen Badegästen bekanntgibt, wo sie nicht, gern gesehen werden." Wir erhielten darauf folgende Antwort: „Dem Centralverein erwidert die Badedirektion auf das Schreiben vom 18. d. M. sehr ergebenst, daß bei Abfassung des Inserates für die Berliner Klinische Wochenschrift Nr. 15 es selbstverständlich ebenso der Badedirektion wie den Eingesessenen Dievenows ganz fern gelegen hat, 'dem seit Jahren auch von Kurgästen jüdischen Glaubens gern besuchten Bade einen antisemitischen Charakter geben zu wollen. Für derartige Geschmacklosigkeiten würde sich Berg-Dievenow niemals hergeben. Da indessen seitens ' eines großen Teiles der alljährlich wiederkehrend en, mit Berg-Dievenow mehr oder weniger verwachsenen Kurgäste der Wunsch laut geworden war, den seit 12 Fahren hier tätigen, nunmehr erkrankten Badearzt durch eine ältere erfahrene Kraft christlichen Glaubens ersetzt zu sehen, war die Badedirektion genötigt, den christlichen Glauben in dem Inserat zu betonen, an dem lediglich die Stammgäste des Bades, nicht die Badedirektion nnd die hiesigen Einwohner Interesse hatten."