Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1913-09-01
- Page
- 418 (sequence 4)
- Language
- German
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418 f$iu deutschen Reich. den. jüngsten K a u f m a it nswahlen in Gelfenkirchen veranlassen uns, diese Mahnung dringlich zu wiederholen. Für die selbständigen KaufleuLe wurden dort 68 Stimmen abgegeben, davon 60 für die Liste der Kaufmännischen Vereinigung, 18 für die Liste der Mittelstandsvereinigung (D. H. V.). Von der ersten Liste wurden neun gewählt (darunter jdrei Juden), von der des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes drei. Die Angestellten gaben 492 Stimmen ab (219 D. tz. V., 273 von den vereinigten kaufmännischen Vereinen, darunter 73 durch Agitation des „Kaufmännischen Vereins Gelsenkirchen"). Gewählt wurden von der Liste des D. H. V.' fünf, von der Liste der Kaufmännischen Vereinigung sieben Angestellte. Der Ausfall dieser Wahl, bei der nur der alte Stand bewahrt blieb, kann von jüdischer Seite nicht als befriedigend betrachtet werden, und läßt die Annahme zu, daß die Bedeutung der Gegnerschaft des Handlungsgehilfenverbandes, dessen Ortsgruppe Gelsenkirchen, die vorher nur 130 Mitglieder zählte, jetzt aber auf 209 Mitglieder angewachsen ist, von vielen noch unterschätzt wird. Ein Eentralvereinsmitglied hat als Mitglied des Wahlausschusses in der öffentlichen Versammlung gegen den Verband unter allgemeinem Beifall gesprochen, doch war diese Versammlung, wie auch eine andere, nur von sehr wenigen Juden besucht. In der Versammlung des D. H. V. haben sich die kaufmännischen Vereinigungen nach einem voransgesaßten Beschluß damit begnügt, nach den Schimpfereien auf den Lentratverein, auf die Juden und auf die kaufmännische „Mis-chmaschliste", eine kurze Erklärung abzugeben. Von einenr Sieg bei den Kaufmannswahlen in Gelsenkirchen kann, da nur der bisherige Stand gewahrt blieb, nicht die Rede sein, wohl aber soll der Ausgang als Mahnung für alle unsere Ortsgruppen dienen, sich des Kampfes gegen den Handlungsgehilfen- Verband kräftiger als bisher anzunehmen, -aoohk können wir zufrieden sein, Paß durch die Agitation unseres Mitgliedes, das Vorstandsmitglied der Ortsgruppe in Gelsenkirchen ist, der „Kaufm. Vereinigung" zwei Sitze gebracht wurden. Wer noch in Gelsenkirchen daran gezweifelt hatte, daß der Verband in der kaufmännischen Jugend den Antisemitismus züchtet, den hätte die in der Monatsschrift der Gelsenkirchener Ortsgruppe des Verbandes enthaltene Warnung, ,,Kollegen, kauft nicht in jüdischen Geschäften!" rechtzeitig belehren müssen. Wir hoffen, daß die Wahlen die jungen jüdischen KaufleuLe angespornt haben, künftig allen ^Landesfragen ein größeres Interesse entgegenzubringen, damit bei der nächsten Wahl von unserer Liste nicht nur 2, sondern 4 Kandidaten gewählt werden. — Bei der Ziehung der vom Frankfurter „Verein für Luftschiffahrt" veranstalteten Lotterie fungierte im Juni d. I. der Rotar D r. Reichmann in Frankfurt a. M. als A o t a r. Als nach der Kaffeepause die Ziehung außerordentlich beschleunigt wurde, so daß aus dem Publikum der Ruf erfolgte: „Hier geht es ja recht familiär zu," bemerkte der Rotar Dr. R e ichmann auf die Frage des Lotterie-Kollekteurs Sch., wer'denn dies gerufen habe: „das wird wohl ein Hebräer gewesen sein, hier ist ja alles jüdisch verseucht." Daß diese Aeußerung tatsächlich gefallen ist, wurde später in einem Strafverfahren durch die eidliche Aussage eines Zeugen festgestellt. Auf Grund dieser Tatsachen wandten wir uns mit 'einer Eingabe an die Vorgesetzte Dienstbehörde des Aotars und erhielten daraufhin unter dem- 5. d. M. von dem H,errn Präsidenten des K gl. La nd g er i, cht s Frankfurt a. M. folgenden Bescheid: „FH habe den Sach.- verhalt geprüft und, da sich Ihre Angaben als zutreffend erwiesen